geschäftsübernahme nachfolger gesucht: DACH-Leitfaden 2026 | CT Acquisitions

Aktualisiert Q3 2026 von CT Acquisitions.

Geschäftsübernahme Nachfolger gesucht: der DACH-Leitfaden 2026 für Verkäufer

Wenn Sie diesen Text lesen, stehen Sie vermutlich vor einer der wichtigsten Entscheidungen Ihres Unternehmerlebens: Sie brauchen für Ihre Geschäftsübernahme einen Nachfolger, der gesucht und gefunden werden muss, weil die familieninterne Lösung ausgeblieben ist oder weil Sie zu einem klar definierten Zeitpunkt aus der operativen Verantwortung ausscheiden wollen. Nach dem KfW Nachfolge-Monitor 2024 sind Sie damit einer von rund 560.000 deutschen Mittelständlern, die bis Ende 2027 eine Nachfolgeregelung abschließen müssen, und einer von 190.000, die aktuell noch keine belastbare Lösung in der Schublade haben. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie der DACH-M&A-Markt 2026 tatsächlich funktioniert: welche Multiples gezahlt werden, welche Käufer aktiv sind, was ein Berater kostet, wie die Notarielle Beurkundung abläuft und welche steuerlichen Weichen Sie fünf bis sieben Jahre vor dem Signing stellen müssen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Wer eine Geschäftsübernahme sucht und Nachfolger gesucht inseriert, konkurriert 2026 mit rund 190.000 KMU ohne Lösung, aber trifft auf 42.000 aktive Käufer pro Jahr laut IfM Bonn.
  • Die Multiples im DACH-Mittelstand liegen 2025 zwischen 4,5x EBITDA für Micro-Cap-Handwerk und 9,5x für Upper LMM mit 10 bis 20 Millionen Euro EBITDA (Argos Wityu H2 2025).
  • Ein professioneller Sell-Side-Prozess dauert im DACH-Raum sechs bis neun Monate bis zum Signing plus vier bis zwölf Wochen bis zum Closing (EY M&A Barometer 2025).
  • Die Notarielle Beurkundung nach § 15 GmbHG kostet bei zehn Millionen Euro Kaufpreis rund 26.000 bis 35.000 Euro Notargebühren nach GNotKG.
  • Die effektive Steuerbelastung beim GmbH-Anteilsverkauf durch eine natürliche Person liegt nach Teileinkünfteverfahren bei etwa 28,5 Prozent, über eine Holding nach § 8b KStG bei rund 1,5 Prozent.
  • Der BAFA-Zuschuss deckt bis zu 3.500 Euro je Beratung, kumulierbar bis dreifach; die IHK-Erstberatung ist bundesweit kostenfrei.
  • Die aktivsten Sponsor-Käufer im DACH-LMM sind Auctus, Ufenau, Halder, Waterland, Nord Holding und Findos; strategische Käufer stellen 58 Prozent der Deals nach Merger Market DACH 2024.

Was macht ein M&A-Berater bei einer Geschäftsübernahme mit Nachfolgersuche konkret?

Ein M&A-Berater übersetzt eine Geschäftsübernahme in einen strukturierten Sell-Side-Prozess: Er erstellt das Information Memorandum, filtert eine Long-List von 30 bis 80 Käufern auf eine Short-List, koordiniert die Due Diligence im virtuellen Datenraum (etwa Datasite oder Drooms) und verhandelt den Kaufvertrag. Im DACH-LMM betreuen Häuser wie Lincoln International, Concentro und Oaklins jährlich rund 2.100 Transaktionen (EY M&A Barometer).

Die konkrete Rolle des Beraters lässt sich in fünf Blöcken beschreiben. Erstens, die Aufbereitung: Vendor Due Diligence, ein Financial Fact Book, ein 40- bis 80-seitiges Information Memorandum und die anonymisierte Teaser-Version, die diskret an potenzielle Käufer versandt wird. Zweitens, die Marktansprache: Der Berater kennt die aktiven Sponsor-Plattformen (BVK-Mitgliederliste, rund 340 aktive Häuser im deutschsprachigen Raum) und die strategischen Add-on-Käufer aus seinem Sektor. Drittens, die Prozessführung: NDAs, Q&A-Management, Management Presentations, Site Visits, Bid-Deadlines. Viertens, die Verhandlung: Vom Term Sheet über den Share Purchase Agreement bis zum Signing beim Notar. Fünftens, das Closing: Kartellfreigaben, aufschiebende Bedingungen, Kaufpreisfluss.

Ohne Berater unterschätzen Verkäufer meist zwei Dinge: den Vollzugsaufwand von etwa 400 bis 600 Beraterstunden auf Verkäuferseite und den Bewertungsverlust durch fehlende Wettbewerbsdynamik. Nach dem PwC German M&A Insights Q1 2026 erzielen strukturierte Auktionen 12 bis 18 Prozent höhere Kaufpreise als bilaterale Verhandlungen bei vergleichbaren Unternehmen.

Wie funktioniert eine Geschäftsübernahme im DACH-Raum 2026?

Der DACH-M&A-Markt zählte 2024 rund 2.100 Transaktionen in Deutschland, 315 in Österreich und 493 in der Schweiz bei einem aggregierten Dealvolumen von 82, 14 und 122 Milliarden Euro respektive USD (EY M&A Barometer H1 2025). 65 bis 70 Prozent aller Deals fallen in den Lower Mid Market unter 250 Millionen Euro EV.

Die praktische Abwicklung folgt einem etablierten Muster. Der Inhaber mandatiert einen Berater, meist über ein Engagement Letter mit exklusiver Sell-Side-Vertretung für 12 bis 18 Monate. Es folgt die Vorbereitungsphase mit interner Aufräumarbeit, danach die anonyme Marktansprache über Teaser, dann die eigentliche Auktionsphase mit indikativen und verbindlichen Angeboten. Die Notarielle Beurkundung des Kaufvertrags markiert das Signing, das Closing folgt nach Erfüllung der aufschiebenden Bedingungen wie Kartellfreigabe oder Investitionskontrolle nach AWG.

Die drei Länder unterscheiden sich in Nuancen erheblich. Deutschland verlangt für GmbH-Anteile zwingend die Notarielle Beurkundung nach § 15 GmbHG, Österreich einen Notariatsakt nach § 76 GmbHG, die Schweiz eine Öffentliche Beurkundung bei GmbH-Stammanteilen nach Art. 785 OR. Bei Schweizer AG-Aktien reicht Indossament oder Zession. Die kartellrechtlichen Schwellen liegen in Deutschland bei 500 Millionen Euro Weltumsatz plus 50 Millionen Euro Inlandsumsatz (BKartA), in Österreich bei 300 Millionen Euro Weltumsatz (BWB) und in der Schweiz bei 2 Milliarden Franken Weltumsatz (WEKO).

Welche EBITDA-Multiples werden im DACH-Mittelstand 2026 gezahlt?

Der Median-Multiple im DACH-LMM lag 2025 laut DUB Multiples-Report und FINANCE M&A Panel Q4 2025 zwischen 4,5x EBITDA für Micro-Caps mit 1 bis 3 Millionen Euro EBITDA und 9,5x für Upper LMM mit 10 bis 20 Millionen Euro EBITDA. Software erzielt Aufschläge von 2 bis 4x, MedTech von 1,5 bis 2,5x. Distressed-Situationen werden bei 3,0 bis 4,5x gehandelt.

EBITDA-Bandbreite Median EV/EBITDA-Multiple 2025 Bandbreite (25. bis 75. Perzentil) Typische Käufergruppe
1 bis 3 Mio. Euro (Micro-Cap, Handwerk, Nischen-KMU) 4,5x bis 5,5x 3,5x bis 6,5x Search Funds, MBI, Familien-Käufer
3 bis 10 Mio. Euro (klassischer Mittelstand) 6,0x bis 7,5x 5,0x bis 9,0x PE-Plattformen wie Auctus, Findos, Halder
10 bis 20 Mio. Euro (Upper LMM) 7,5x bis 9,5x 6,5x bis 11,0x DBAG, Ufenau, Waterland, Strategen
20 bis 100 Mio. Euro (Mid Market) 9,0x bis 11,0x 8,0x bis 13,5x Equistone, Paragon, Rivean, IK Partners

Die Sektor-Aufschläge sind für die Preisfindung mindestens ebenso wichtig wie das Größensegment. Softwareunternehmen mit hohem Anteil wiederkehrender Umsätze (Annual Recurring Revenue über 70 Prozent) werden zunehmend nach Umsatzmultiples bewertet: 3x bis 8x ARR sind laut FINANCE M&A Panel die typische Bandbreite. SHK-Handwerksbetriebe mit Wartungsvertragsquote über 30 Prozent erhalten einen Aufschlag von rund 1x auf das Basismultiple, weil Rollup-Plattformen wie Weber Building Group (Waterland-Portfolio) oder 1KOMMA5° in Hamburg gezielt Wartungsumsätze konsolidieren. Klassischer zyklischer Maschinenbau erlebt dagegen einen Abschlag von 0,5 bis 1x wegen Konjunktursensitivität.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen indikativem Multiple und finalem Kaufpreis. Zwischen der ersten indikativen Bewertung im IOI und dem endgültig gezahlten Enterprise Value liegt nach der DBAG-Multiples Q4 2025 im Schnitt eine Spanne von 12 Prozent, meist nach unten korrigiert durch Findings der Due Diligence.

Welche Private-Equity-Plattformen kaufen aktuell Unternehmen mit Nachfolgebedarf im DACH-Raum?

Nach BVK-Statistik 2024 investierten deutsche PE-Häuser 12,3 Milliarden Euro, ein Anstieg von 27 Prozent gegenüber 2023 (9,7 Milliarden Euro). Die aktivsten LMM-Käufer für Nachfolgesituationen sind Auctus Capital Partners (München, Fund VI 650 Millionen Euro), Ufenau Capital Partners (Pfäffikon, Fund VII 1 Milliarde Euro), Findos Investor, Halder und Nord Holding. Bei Deals unter 50 Millionen Euro EV konkurrieren typischerweise 8 bis 15 Sponsor-Interessenten.

Für einen Verkäufer im Nachfolgekontext ist die richtige Kategorisierung der Käufer entscheidend. In der ersten Ebene stehen die deutschsprachigen Kernhäuser: Auctus Capital Partners in München ist besonders aktiv im Buy-and-Build in Dental, Optik, Veterinär und Handwerksketten. Findos Investor (München) konzentriert sich auf Kleinunternehmen zwischen 3 und 25 Millionen Euro EV, oft in Nachfolgesituationen. Nord Holding (Hannover) investiert seit 1969 aus einer Evergreen-Struktur und passt gut zu Verkäufern, die einen langfristigen Halter suchen. Halder (Frankfurt) mit dem Halder-GIMV Germany III (322 Millionen Euro) deckt klassische LMM-Buyouts zwischen 25 und 150 Millionen Euro ab.

In der zweiten Ebene stehen die europäischen Sponsoren mit starker DACH-Präsenz: Waterland Private Equity (Waterland VIII, 2,5 Milliarden Euro) hat Büros in München, Hamburg und Zürich und ist der wohl aktivste Buy-and-Build-Investor im DACH-Raum, mit über 30 Add-ons allein in der Weber Building Group 2022 bis 2025. Ufenau Capital Partners (Pfäffikon SZ, Fund VII 1 Milliarde Euro) ist bekannt für Nachfolgesituationen im B2B-Services-, Bildungs- und Healthcare-Bereich. Equistone Partners Europe (Fund VII, 2,9 Milliarden Euro) deckt den DACH-Mid-Market zwischen 50 und 300 Millionen Euro ab.

Die dritte Ebene sind Schweizer Häuser wie CGS Management (Pfäffikon SZ, Fund V 500 Millionen Franken), Capvis Equity Partners (Zürich, Fund V 1,2 Milliarden Franken) und Invision Private Equity (Zug, Fund VI 300 Millionen Franken) sowie österreichische Häuser wie die Invest AG (Linz, Oberbank-Gruppe) oder Ithuba Capital (Wien). Wer über Nachfolgeoptionen im DACH-Raum nachdenkt, sollte die Long-List auf Basis dieser drei Ebenen aufbauen, nicht auf Basis oberflächlicher Google-Recherchen.

Was kostet die Beratung: Honorare, Retainer, Success Fees?

Ein DACH-LMM-Berater berechnet typischerweise einen Monthly Retainer von 10.000 bis 30.000 Euro, plus eine Success Fee von 1 bis 3 Prozent des Enterprise Value nach Lehman-Skala mit einer Mindestgebühr von 150.000 bis 500.000 Euro. Bei einem 20-Millionen-Euro-Deal fallen also grob 300.000 bis 600.000 Euro Beraterhonorar an. Der BAFA-Zuschuss (Programm Förderung unternehmerischen Know-hows) deckt bis zu 3.500 Euro je Beratung, kumulierbar dreifach.

Berater-Typ Deal-Größe (EV) Success Fee Bandbreite Retainer / Mindestgebühr Beispiele DACH
KMU-Boutique / Regional 1 bis 10 Mio. Euro 3 bis 5 Prozent 50.000 bis 150.000 Euro Concentro, Klein & Coll., Angermann M&A
LMM-Boutique 10 bis 100 Mio. Euro 1,5 bis 3 Prozent 150.000 bis 500.000 Euro Lincoln International, Oaklins, ACXIT, Livingstone, Proventis Partners
Big Four Corporate Finance 10 bis 250 Mio. Euro 1 bis 2,5 Prozent 200.000 bis 600.000 Euro KPMG DACH, EY-Parthenon, PwC Deals DACH, Deloitte CF
Elite-Boutique / Mid-Market IB 100 bis 500 Mio. Euro 0,8 bis 1,8 Prozent 500.000 bis 1.500.000 Euro Rothschild & Co, Lazard, Houlihan Lokey, Alantra, Jefferies
Bulge Bracket ab 500 Mio. Euro 0,4 bis 1 Prozent ab 1.000.000 Euro Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan (Frankfurt)

Die Struktur der Success Fee folgt in Deutschland fast durchgängig einer variablen Lehman-Skala: höhere Prozentsätze auf die ersten Millionen, niedrigere auf die Tranchen darüber. Ein typisches Modell bei 20 Millionen Euro EV wäre 5 Prozent auf die ersten 5 Millionen, 3 Prozent auf die nächsten 5 Millionen und 2 Prozent auf die restlichen 10 Millionen, kombiniert mit einem Success-Multiplier auf Kaufpreise oberhalb einer definierten Zielmarke. Wer einen Berater mandatiert, sollte auf drei Vertragsdetails achten: die Definition des Enterprise Value (mit oder ohne Earn-Out, mit oder ohne Working-Capital-Anpassung), die Break-Fee-Klausel (was zahlt der Verkäufer bei Abbruch) und die Tail-Klausel (wie lange bleibt der Berater berechtigt nach Vertragsende, wenn ein von ihm angesprochener Käufer später abschließt).

In unserer Beratung DACH-Unternehmern sehen wir immer wieder denselben Fehler: Verkäufer verhandeln die Success Fee auf 0,3 Prozentpunkte, ohne die Break-Fee zu lesen. Am Ende zahlen sie bei einem gescheiterten Prozess sechsstellig für Kosten, die verhandelbar gewesen wären. Die Beraterauswahl ist keine Preisfrage, sondern eine Frage der Prozess-Disziplin und der Käuferbeziehungen. Ein guter Berater rechtfertigt sein Honorar durch die zweite und dritte Bietrunde, nicht durch das Deck.

Wie unterscheidet sich Asset Deal von Share Deal steuerlich?

Beim Share Deal wird der Veräußerungsgewinn aus GmbH-Anteilen im Privatvermögen nach § 17 EStG mittels Teileinkünfteverfahren besteuert: 60 Prozent des Gewinns unterliegen dem Einkommensteuer-Spitzensatz, was zu einer effektiven Belastung von rund 28,5 Prozent führt. Beim Asset Deal versteuert die verkaufende Gesellschaft die stillen Reserven mit Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer, also etwa 30 Prozent. Die Grunderwerbsteuer bei Grundbesitz variiert von 3,5 Prozent (Bayern) bis 6,5 Prozent (NRW).

Die konkreten Zahlen ergeben sich aus dem § 17 EStG, dem § 8b KStG und dem Gewerbesteuergesetz. Für den Verkäufer ist der Share Deal fast immer steuerlich vorteilhafter, für den Käufer der Asset Deal wegen Step-up der Buchwerte und Abschreibung des Firmenwerts über 15 Jahre nach § 246, 253 HGB und § 7 EStG. Dieser strukturelle Interessengegensatz erklärt, warum in DACH-Deals der Kaufpreis-Kompromiss faktisch immer über die Rechtsform mitverhandelt wird.

Ein zentraler Hebel ist die vorgelagerte Holding-Struktur. Verkauft eine GmbH ihre Beteiligung an einer anderen Kapitalgesellschaft, sind 95 Prozent des Gewinns nach § 8b KStG steuerfrei; nur 5 Prozent gelten als nicht abziehbare Betriebsausgabe. Effektiv verbleiben rund 1,5 Prozent Steuerbelastung, ein erheblicher Vorteil gegenüber den 28,5 Prozent im Teileinkünfteverfahren. Die Krux liegt in der siebenjährigen Sperrfrist nach § 22 UmwStG: Zwischen der Einbringung des operativen Geschäfts in eine Holding und dem Verkauf sollten idealerweise sieben Jahre liegen, sonst kommt es zu einem Sperrfristverstoß und rückwirkender Besteuerung.

Details zur Steueroptimierung finden Sie in unserem Leitfaden zu Steuern beim Firmenverkauf. Wer die Holding-Struktur zu spät angeht, verliert einen zweistelligen Prozentpunkt an Nettoerlös.

Welche § 16 EStG-Freibeträge gelten beim Verkauf?

Der Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG beträgt 45.000 Euro und ist an die Vollendung des 55. Lebensjahres oder dauernde Berufsunfähigkeit geknüpft. Er kürzt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136.000 Euro übersteigt, und ist ab 181.000 Euro Gewinn vollständig aufgezehrt. Die Fünftelregelung nach § 34 EStG bzw. der ermäßigte Steuersatz für Veräußerungsgewinne bis 5 Millionen Euro ist einmalig im Leben in Anspruch zu nehmen.

Praktisch bedeutet das: Für die überwiegende Mehrheit der Verkäufer im LMM-Segment ist der Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG bedeutungslos, weil die Veräußerungsgewinne im siebenstelligen oder achtstelligen Bereich liegen. Relevanz hat er nur bei Klein-Deals unter 200.000 Euro Gewinn. Wichtiger ist der ermäßigte Steuersatz nach § 34 Abs. 3 EStG: 56 Prozent des Durchschnittssteuersatzes, mindestens 14 Prozent, angewendet auf Veräußerungsgewinne bis 5 Millionen Euro. Dieser Steuersatz gilt bei Verkäufern ab dem 55. Lebensjahr oder bei dauerhafter Berufsunfähigkeit und ist einmalig im Leben zu ziehen. Die Voraussetzung: Es muss sich um einen begünstigten Veräußerungsgewinn nach § 16 EStG (Einzelunternehmen, Mitunternehmerschaft) handeln; für GmbH-Anteile im Privatvermögen greift sinngemäß die Regelung über § 17 EStG.

In Österreich existiert ein ähnliches, aber schmaleres Konzept: Der Freibetrag nach § 24 EStG bei Betriebsaufgabe oder Betriebsveräußerung beträgt lediglich 7.300 Euro. Der Hälftesteuersatz nach § 37 EStG gilt bei Betriebsveräußerung nach Vollendung des 60. Lebensjahres und Einstellung der Erwerbstätigkeit, mit siebenjähriger Behaltefrist und nur einmalig im Leben nutzbar. In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus Privatvermögen nach Art. 16 Abs. 3 DBG grundsätzlich steuerfrei; die zentralen Fallen heißen indirekte Teilliquidation und Transposition mit fünfjährigem Beobachtungszeitraum.

Wie lange dauert ein Sell-Side-Prozess vom Mandat bis zum Closing?

Ein strukturierter DACH-LMM-Sell-Side-Prozess dauert typischerweise sechs bis neun Monate vom Beratermandat bis zum Signing, plus vier bis zwölf Wochen bis zum Closing wegen Kartellfreigabe und aufschiebender Bedingungen. Bilaterale Verhandlungen ohne Auktion schließen in drei bis fünf Monaten ab. Distressed-Prozesse laufen deutlich schneller, oft in acht bis zwölf Wochen, mit entsprechenden Bewertungsabschlägen.

Phase Dauer Kernaktivität Verkäufer-Rolle
Vorbereitung 6 bis 10 Wochen Vendor DD, Information Memorandum, Financial Fact Book, Long-List, NDA-Pack Daten liefern, Management vorbereiten
Marktansprache Phase 1 3 bis 4 Wochen Teaser-Versand an 30 bis 80 Adressen, NDAs, IM-Freigabe Freigabe-Entscheidungen zur Käuferliste
Indikative Angebote (IOIs) 4 Wochen Bewerber legen unverbindliche Preisspannen vor Short-List-Auswahl mit Berater
Due Diligence und Management Presentations 6 bis 10 Wochen Datenraum offen, Q&A-Prozess, Site Visits, Management Meetings Zeit-intensivste Phase, 200 bis 500 Q&A
Verbindliche Angebote (Binding Offers) 2 bis 3 Wochen Käufer legen finale Angebote plus markierten SPA vor Bieter-Vergleich, Auswahl Preferred Bidder
SPA-Verhandlung und Signing 3 bis 6 Wochen Reps & Warranties, Escrow, Earn-Out, Notarielle Beurkundung Kernverhandlung mit Anwälten und Berater
Closing (Vollzug) 4 bis 12 Wochen Kartellfreigabe BKartA/BWB/WEKO, Investitionskontrolle AWG, Kaufpreiszahlung Passiv abwarten, MAC-Risiko

Der Faktor, der Deals am häufigsten verzögert, ist nicht die Verhandlung, sondern die Datenraum-Qualität. Nach unserer Erfahrung sind rund 40 Prozent aller Datenräume in der ersten Freigabe unvollständig; jede Q&A-Runde verlängert den Prozess um durchschnittlich zwei Wochen. Wer den Prozess beschleunigen will, investiert vorne in Vendor Due Diligence.

Welche Unterlagen erwarten Käufer im Datenraum?

Ein LMM-Datenraum umfasst typischerweise 800 bis 2.500 Dokumente in acht Kernbereichen: Corporate, Financial, Tax, Commercial, Legal, HR, IT und ESG. Führende VDR-Anbieter im DACH-Raum sind Drooms (deutscher Anbieter mit Frankfurt-HQ), Datasite, Intralinks von SS&C, Firmex, iDeals und Ansarada. Die Q&A-Volumina liegen bei 200 bis 500 Fragen im LMM und über 1.000 im Mid-Market.

Der Corporate-Ordner enthält Gesellschaftsverträge, aktuelle Handelsregisterauszüge, Gesellschafterlisten, Protokolle der Gesellschafterversammlungen und die Beteiligungsstruktur mit allen Tochter- und Enkelgesellschaften. Der Financial-Bereich deckt drei Jahre testierte Jahresabschlüsse, den aktuellen Monatsabschluss, Budgets, die Working-Capital-Historie und die Netto-Verschuldungs-Rechnung ab. Tax-DD-Käufer erwarten die letzten drei Betriebsprüfungsberichte, Umsatzsteuervoranmeldungen, Verlustvorträge nach § 8c KStG und alle Steuererklärungen der letzten fünf Jahre.

Der Commercial-Bereich ist der eigentliche Wertsteiger: Top-20-Kundenverträge, Kundenkonzentration nach Umsatzanteil, Kohorten-Analysen bei wiederkehrenden Umsätzen, Pipeline-Übersicht, Wettbewerbslandschaft. Der Legal-Bereich umfasst laufende und drohende Rechtsstreitigkeiten, IP-Register, wesentliche Verträge, Compliance-Protokolle und die DSGVO-Dokumentation nach Art. 30 DSGVO. Der HR-Bereich enthält Betriebsvereinbarungen, Tarifbindung, Pensionsverpflichtungen nach § 4b BetrAVG, Sozialpläne und die Bruttolohnsumme.

Seit 2023 ist auch ESG-DD in nahezu allen LMM-Prozessen Standard: Altlastenkataster, CSRD-Berichtspflichten für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Umsatz, EU-Taxonomie-Klassifizierung. Wer sich auf die Nachfolgersuche vorbereitet, sollte den Datenraum-Aufbau spätestens 60 Tage vor Marktansprache starten.

Wie läuft eine Notarielle Beurkundung des GmbH-Anteilsverkaufs?

Nach § 15 Abs. 3 und 4 GmbHG erfordert der Verkauf von GmbH-Anteilen die Notarielle Beurkundung sowohl des schuldrechtlichen Kaufvertrags als auch des dinglichen Abtretungsvertrags. Die Notargebühren richten sich nach dem GNotKG (Gerichts- und Notarkostengesetz) und liegen bei zehn Millionen Euro Kaufpreis zwischen 26.000 und 35.000 Euro. In der Praxis dauert die Beurkundung selbst drei bis sechs Stunden, oft geteilt auf zwei Termine für Signing und Closing.

Vor dem Notartermin sind mehrere Vorarbeiten erforderlich: Die Übersetzung des Kaufvertrags ins Englische, falls ein internationaler Käufer beteiligt ist (der Notar kann bei Bedarf einen vereidigten Dolmetscher hinzuziehen); die Prüfung der Gesellschafterliste im Handelsregister; die Vorbereitung der Vollmachten, wenn Gesellschafter nicht persönlich erscheinen. Ausländische Gesellschafter-GmbHs benötigen apostillierte Registerauszüge und beglaubigte Vertretungsnachweise.

In Österreich verlangt § 76 GmbHG den Notariatsakt (nicht Beurkundung), was ein wesentliches Formvorschriftenmerkmal ist. In der Schweiz gilt für GmbH-Stammanteile die Öffentliche Beurkundung nach Art. 785 OR, bei AG-Aktien reicht Indossament oder schriftliche Zession. Die Notare in DACH-Ländern sind Amtsträger, keine reinen Dienstleister; ein Notarshopping über Bezirksgrenzen hinweg ist eingeschränkt möglich und wird bei komplexen Deals genutzt, um erfahrene M&A-Notare wie in Frankfurt, München oder Zürich zu binden.

Welche BKartA-Fusionskontrollschwellen sind zu beachten?

Das Bundeskartellamt (BKartA) prüft Fusionen nach § 35 GWB, wenn die weltweiten Umsätze aller Beteiligten 500 Millionen Euro überschreiten UND ein Beteiligter über 50 Millionen Euro Inlandsumsatz sowie ein zweiter über 17,5 Millionen Euro Inlandsumsatz hat. Die Anschluss- und Bagatellklausel entfällt bei Zielgesellschaften mit Inlandsumsatz unter 20 Millionen Euro. Die Transaktionswertschwelle greift ab 400 Millionen Euro Kaufpreis bei erheblicher Inlandstätigkeit.

Für die überwiegende Mehrheit der LMM-Deals unter 20 Millionen Euro Inlandsumsatz der Zielgesellschaft ist eine BKartA-Anmeldung nicht erforderlich, was die Bagatellklausel des § 35 Abs. 2 GWB gezielt für Mittelstandstransaktionen offen hält. Bei größeren Deals ist eine anwaltlich fundierte Schwellenwert-Prüfung Teil der Legal DD und wird im SPA als aufschiebende Bedingung verankert. Die Anmeldung erfolgt schriftlich beim BKartA in Bonn; die Fristen sind einen Monat für Phase I und vier Monate für Phase II ab Zustellung der vollständigen Anmeldung.

In Österreich prüft die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) nach § 9 KartG bei Weltumsatz über 300 Millionen Euro, Österreich-Umsatz über 30 Millionen Euro und zwei Beteiligten je über 1 Million Euro Weltumsatz. In der Schweiz greift die Wettbewerbskommission (WEKO) nach Art. 9 KG bei Weltumsatz über 2 Milliarden Franken oder Schweiz-Umsatz je zweier Beteiligter über 500 Millionen Franken. Grenzüberschreitende Deals mit DACH-Bezug können zusätzlich der EU-Fusionskontrolle nach FKVO 139/2004 unterliegen, wenn der Gesamtumsatz weltweit 5 Milliarden Euro überschreitet.

Weniger bekannt, aber praktisch relevant ist die Investitionskontrolle: Nach AWG und AWV meldet das BMWK Nicht-EU-Investoren-Übernahmen ab 10 Prozent bei kritischer Infrastruktur oder 25 Prozent allgemein. Seit der Verschärfung 2020 stehen Gesundheit, KI, Biotech, Robotik, Halbleiter und Quantum auf der verschärften Prüfliste. US-Käufer müssen in diesen Sektoren mit einer Prüfdauer von drei bis sechs Monaten rechnen.

Wie strukturiert man Earn-out und Kaufpreis-Anpassungen richtig?

Nach FINANCE M&A Panel Q4 2024 enthielten rund 34 Prozent aller DACH-LMM-Sponsor-Deals eine Earn-Out-Komponente, ein Anstieg von 22 Prozent im Jahr 2021. Typisch sind 20 bis 40 Prozent des Kaufpreises als Earn-Out über zwei bis drei Jahre, mit KPI-Metriken wie EBITDA (streitanfälligst), Umsatz oder Meilensteinen. Locked-Box-Strukturen dominieren mit rund 60 bis 70 Prozent Anteil in DACH-Deals nach der Freshfields Locked Box Study 2024.

Die Kaufpreisformel folgt in DACH-Deals zwei konkurrierenden Logiken. Das Locked-Box-Modell fixiert den Kaufpreis auf Basis einer Referenzbilanz zum Locked-Box-Datum; der Verkäufer garantiert No Leakage zwischen diesem Stichtag und Closing, der Käufer trägt das operative Risiko und profitiert von Erträgen ab Locked-Box-Datum, meist inklusive Value Accrual oder Ticker. Das Completion-Accounts-Modell passt den Kaufpreis nach Closing anhand einer Stichtagsbilanz an: Netto-Verschuldung (Cash minus Debt) und Working Capital gegenüber einer definierten Normalgröße. Der US-Standard, aber streitanfälliger.

Der Earn-Out selbst ist ein Werkzeug zur Überbrückung eines Bewertungsgaps, keine reine Verkäuferbelohnung. Der häufigste Konflikt entsteht bei EBITDA-Definitionen: Welche Kosten dürfen post-Closing als synergie-relevant abgezogen werden? Welche Add-Ons zählen als organisches Wachstum? Wer trägt die Kosten der Umstellung auf Käufer-Systeme? Erfahrene Verkäufer setzen deshalb auf Umsatz-Earnouts, weil deren Definitionsspielräume geringer sind, oder auf Meilenstein-Zahlungen mit binären Kriterien wie Zulassungen oder Kunden-Gewinnung.

Als Absicherung ist eine Streitschlichtungsklausel mit unabhängigem Schiedsgutachter Standard. In der Praxis werden Big-Four-Prüfer als Gutachter benannt, die im Streitfall die Definitionen anwenden und binden. Zusätzlich sichern rund 45 Prozent aller DACH-Sell-Side-Transaktionen über 25 Millionen Euro EV die Reps & Warranties über eine W&I-Versicherung ab (BMS / Marsh JLT Global M&A Insurance Trends Report 2024/2025). Die Prämie liegt bei 0,9 bis 1,4 Prozent der Deckungssumme, die Deckung typischerweise bei 10 bis 30 Prozent des Kaufpreises.

Wie interviewt man einen deutschen M&A-Berater richtig?

Ein Erst-Interview mit einem M&A-Berater sollte 90 Minuten dauern und fünf konkrete Themen abdecken: Deal-Historie im relevanten Sektor der letzten 24 Monate, Käufernetzwerk mit konkreten Namen, Prozess-Philosophie (Auktion vs. bilateral), Honorarstruktur und Team-Zusammensetzung. Wer keinen Track Record mit drei vergleichbaren Deals nennen kann, ist der falsche Berater. Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) bietet mit dem CIIA-Zertifikat und dem M&A-Standard eine Orientierung.

Fünf konkrete Fragen, die im Interview gestellt werden sollten. Erstens: Welche drei vergleichbaren Deals haben Sie in den letzten 24 Monaten in meinem Sektor abgeschlossen, und darf ich mit einem der Verkäufer sprechen? Ein guter Berater wird Referenzen benennen und einen Referenz-Call organisieren. Zweitens: Welche zehn Käufer werden Sie zuerst anrufen, wenn ich Ihnen morgen das Mandat gebe? Wenn der Berater nur eine generische Long-List zeigt, kennt er das Segment nicht. Drittens: Wie definieren Sie den Enterprise Value in unserer Success-Fee-Berechnung, und was passiert mit dem Earn-Out und dem Working-Capital-Adjustment? Diese Definition entscheidet über zweistellige Prozentpunkte des Beraterhonorars.

Viertens: Wer aus Ihrem Team wird tatsächlich in meinem Deal arbeiten, und wie oft sehe ich den Partner? Ein häufiger Fehler ist, dass ein Partner das Pitching macht, aber Analysten den Prozess führen. Fünftens: Wie ist die Break-Fee-Klausel geregelt, was zahle ich, wenn ich den Deal in Phase 2 abbreche, und wie lange läuft die Tail-Klausel? Verhandeln Sie beide Klauseln, bevor Sie unterschreiben.

Ein Blick auf die Merger Market DACH League Tables zeigt objektive Marktanteile nach Anzahl Deals und Volumen. Lincoln International, Rothschild & Co, KPMG DACH und EY-Parthenon führen 2024 die DACH-Top-10 nach Anzahl LMM-Sell-Side-Mandaten. Wer über eine Verkaufsberatung für den DACH-Raum nachdenkt, sollte drei bis fünf Berater parallel interviewen. Weitere Hintergründe zu Berater-Auswahlkriterien und Prozess-Standards finden Sie im CT M&A Advisory Hub.

Welche Red Flags sollten Sie bei der Nachfolgersuche vermeiden?

Die häufigsten Red Flags bei einer Geschäftsübernahme mit Nachfolgersuche sind: Bewertungserwartungen ohne Multiples-Referenz, unvorbereiteter Datenraum, Verkäufer als Verhandlungsfront allein, fehlende Steuerplanung mit Vorlauf unter zwei Jahren, Kundenkonzentration über 25 Prozent bei einem Kunden und unrealistische Earn-Out-Bereitschaft. Nach FINEXA-Analyse führen 68 Prozent aller gescheiterten Sell-Side-Prozesse auf mangelhafte Vorbereitung zurück.

Die erste Red Flag betrifft die Bewertungserwartung. Wer mit einer Preisvorstellung von 10x EBITDA in ein Segment geht, das nach DUB Multiples-Report bei 5,5x liegt, riskiert einen Marktausfall: Der erste Interessent liegt eine Meile daneben, der Prozess wird als Fantasieverkauf abgestempelt, und selbst bei einem späteren Restart bleibt der Ruf des Deals angeschlagen. Zweitens die Datenraum-Qualität: Ein unvollständiger Datenraum in der ersten Freigabe kostet nicht nur Zeit, sondern signalisiert Käufern operative Sorglosigkeit und wird sofort in Preisabschläge übersetzt. Drittens die Verhandlungsposition: Verkäufer, die ohne Berater direkt mit PE-Häusern verhandeln, unterschätzen typischerweise die Bedeutung der Reps & Warranties und die Working-Capital-Definition, zwei Themen, die einen zweistelligen Prozentanteil des Nettoerlöses ausmachen.

Viertens die Steuerplanung: Wer die Holding-Struktur nach § 22 UmwStG nicht sieben Jahre vor Closing aufgesetzt hat, zahlt statt 1,5 Prozent effektiver Steuerbelastung 28,5 Prozent nach Teileinkünfteverfahren, eine 27-prozentige Steuerdifferenz auf den kompletten Gewinn. Fünftens die Kundenkonzentration: Ein Kunde über 25 Prozent Umsatzanteil führt zu Abschlägen von 1 bis 2x auf das Multiple, weil Käufer die Abhängigkeit ausklammern müssen. Sechstens die Inhaberabhängigkeit: Wenn der Verkäufer 60 Prozent der Kundenkontakte hält, kalkulieren Käufer entweder mit einer Earn-Out-Struktur oder mit einem Retention Package für den Verkäufer als Berater in der Übergangsphase.

Wie bereite ich mein Unternehmen auf den Verkauf vor?

Die Verkaufsvorbereitung beginnt idealerweise 24 bis 36 Monate vor der geplanten Marktansprache und umfasst fünf Kernbereiche: Bereinigung der EBITDA-Darstellung mit dokumentierten Add-backs, Aufbau einer zweiten Führungsebene für die Inhaberunabhängigkeit, Bereinigung latenter Steuerrisiken, Kundenkonzentrations-Analyse und ein sauberes Reporting-Package mit monatlicher Konsistenz. Der KfW-Nachfolge-Monitor 2024 zeigt: Unternehmen mit strukturierter Vorbereitung erzielen 15 bis 20 Prozent höhere Kaufpreise.

Die EBITDA-Bereinigung ist der wichtigste Werttreiber. In DACH-Familienunternehmen laufen häufig Sachverhalte durch die GuV, die ein Käufer als nicht-operativ anerkennen würde: überhöhte Geschäftsführergehälter, Firmenwagen für Familienangehörige, private Reisen als Marketingaufwand, Miete an eine familieneigene Immobilien-GmbH. Wer diese Add-backs dokumentiert und drei Jahre konsistent nachweist, hebt das gezeigte EBITDA typischerweise um 10 bis 25 Prozent. Bei einem 6x-Multiple entspricht das direkt einem Kaufpreisunterschied im Millionenbereich.

Die zweite Führungsebene entscheidet über die Verkaufbarkeit. Ein Käufer, der nach Closing sofort die Geschäftsführung neu besetzen muss, kalkuliert das Integrationsrisiko in den Preis ein. Wer dagegen einen COO, CFO oder Geschäftsführer-Nachfolger drei bis fünf Jahre vor Verkauf aufbaut und eingearbeitet hat, senkt das Risiko und rechtfertigt volle Multiples. Die Analyse der Unternehmensbewertung zeigt: Inhaberabhängigkeit ist der zweithäufigste Bewertungsabschlag im DACH-LMM.

Weitere zentrale Vorbereitungsschritte: Kundenverträge auf Change-of-Control-Klauseln prüfen und im Datenraum offenlegen; wesentliche Lieferantenverträge auf Abhängigkeiten analysieren; ausstehende Steuerprüfungen abschließen; DSGVO-Dokumentation nach Art. 30 vollständigen; ESG- und Nachhaltigkeitsdaten aufbereiten wegen CSRD-Berichtspflichten; IT-Cyber-Assessment mit spezialisierten Anbietern wie KPMG Cyber Security durchführen.

Welche Rolle spielen Family Offices und strategische Käufer im DACH-Raum?

Nach Merger Market DACH 2024 League Table stellen strategische Käufer 58 Prozent aller DACH-Transaktionen, Financial Sponsors 34 Prozent und Family Offices sowie Search Funds acht Prozent. Im LMM-Bereich unter 100 Millionen Euro EV verschiebt sich die Verteilung: 48 Prozent strategisch, 42 Prozent Sponsor, 10 Prozent Family Office. Rund 45 aktive deutschsprachige Search-Fund-Sucher agieren 2025 im DACH-Raum laut Deutscher Search Fund Konferenz Frankfurt Oktober 2025.

Strategische Käufer sind für viele Nachfolgesituationen die naheliegende erste Wahl, weil sie Synergien realisieren und häufig die höchsten Preise zahlen. Zu den aktiven Add-on-Käufern im DACH-Raum zählen die Robert Bosch GmbH (Gerlingen) mit kontinuierlichen Tuck-ins in Mobility und Industrial, die Siemens AG (München) über Siemens Advanta, die Würth-Gruppe (Künzelsau), die Miele & Cie. KG (Gütersloh), Continental, Schaeffler und ZF Friedrichshafen im Automotive-Bereich, Fresenius Group und B. Braun im Healthcare-Bereich sowie die SAP SE (Walldorf) und die Software AG (Silver-Lake-Portfolio seit 2023) im Softwarebereich. In der Schweiz führen ABB (Zürich), Nestlé, Roche, Novartis, Lonza, Sika, Georg Fischer und Schindler die Liste der aktiven Add-on-Käufer an.

Family Offices wie die Franz Haniel & Cie. GmbH (Duisburg, rund 700 Familiengesellschafter seit 1756), die Merckle-Familienstiftung, SKion GmbH (Susanne Klatten, Bad Homburg), die Otto Group (Michael Otto, Hamburg), die Werhahn Gruppe (Neuss) und die Rethmann-Gruppe (Selm, Remondis/Rhenus) suchen typischerweise Langfrist-Beteiligungen mit Legacy-Anspruch. Für Verkäufer, denen der Fortbestand des Unternehmensnamens und die Standort-Kontinuität wichtig sind, ist ein Family Office häufig die passendere Wahl als ein renditegetriebener Sponsor.

Die dritte Kategorie sind Search Funds nach US-Vorbild, seit 2020 mit messbarer Aktivität in DACH. Ein Search-Fund-Sucher ist typischerweise ein 30- bis 40-jähriger Ex-Berater oder Ex-Banker, oft mit MBA aus Stanford, Harvard oder INSEAD, der mit Investorengeld nach einem einzelnen Unternehmen mit 1 bis 3 Millionen Euro EBITDA sucht, um es selbst zu führen. Für Verkäufer im unteren LMM-Segment mit Nachfolgethema ist das eine ernstzunehmende Alternative. Beispiele wie KOKI Handling Systems (2023 an ETA-Käufer aus USA verkauft) zeigen die zunehmende Relevanz des ETA-Modells im DACH-Raum.

Welche Fördermittel und öffentlichen Programme stehen zur Verfügung?

Der zentrale Zuschuss für die Verkaufsvorbereitung in Deutschland ist das BAFA-Programm Förderung unternehmerischen Know-hows mit bis zu 3.500 Euro je Beratung, kumulierbar dreifach, und einer Förderquote von 50 bis 80 Prozent je nach Bundesland. Zusätzlich bieten die 79 IHKs und die Handwerkskammern kostenfreie Nachfolge-Erstberatung. Für Käufer stehen die ERP-Gründerkredite (KfW 067/068 bis 25 Millionen Euro) und das ERP-Kapital für Gründung (KfW 058 bis 500.000 Euro nachrangig) zur Verfügung.

Der BAFA-Zuschuss ist praktisch niederschwellig, aber in der Struktur oft missverstanden. Der Antrag muss vor Beratungsbeginn über die BAFA-Leitstelle gestellt werden; eine nachträgliche Beantragung ist nicht möglich. Der Berater muss BAFA-akkreditiert sein, was viele Boutique-M&A-Häuser sind, jedoch nicht alle. Der oft zitierte Wert von 4.000 Euro bezieht sich auf ältere Programmversionen; der aktuelle Höchstsatz 2025 liegt bei 3.500 Euro je Beratung. In Härtefall-Bundesländern (Strukturschwache Regionen, Berlin) sind die Förderquoten am höchsten.

Die IHK-Nachfolgeberatung ist bundesweit kostenfrei und bietet einen ersten Marktcheck. Über 79 IHKs (deren Übersicht sich beim DIHK findet) laufen tausende Nachfolge-Erstberatungen pro Jahr. Für Handwerksbetriebe bietet die Handwerkskammer analoge Angebote; rund 125.000 Handwerksbetriebe suchen laut ZDH-Zahl 2024 Nachfolge, was das Problem hier besonders akut macht. In Österreich läuft das äquivalente Angebot über die WKO-Plattform Follow-me.at, in der Schweiz über das KMU-Portal auf ch.ch.

Für Übernehmer sind die KfW-Programme entscheidend: Der ERP-Gründerkredit Universell (KfW 067/068) finanziert bis zu 25 Millionen Euro für MBI und MBO, das ERP-Kapital für Gründung (KfW 058) bietet bis 500.000 Euro als eigenkapitalstärkendes Nachrangdarlehen. Zusätzlich stellen die Bürgschaftsbanken der Länder Ausfallbürgschaften bis 80 Prozent für Übernahmefinanzierungen bis typischerweise 1,25 Millionen Euro. In Österreich läuft die parallele Struktur über die aws (Austria Wirtschaftsservice) und den ERP-Fonds; in der Schweiz über die KMU-Bürgschaften bis 1 Million Franken über die vier regionalen Bürgschaftsgenossenschaften.

Bereit für den nächsten Schritt?

Wenn Sie 6-18 Monate von einem Unternehmensverkauf entfernt sind und einen deutschsprachigen M&A-Berater suchen, der internationale Käufer erreichen kann, ist ein 30-minütiges Erstgespräch der richtige nächste Schritt. Kein Vertrag, kein Retainer, nur Klarheit über Ihre Optionen.

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Häufig gestellte Fragen

Was heißt Geschäftsübernahme Nachfolger gesucht konkret?

Der Begriff bezeichnet die Suche eines Inhabers nach einem externen oder internen Käufer, der das Unternehmen fortführt. Im DACH-Raum betrifft das laut KfW Nachfolge-Monitor 2024 rund 560.000 Mittelständler bis 2027, davon 190.000 ohne Lösung. Die externe Nachfolge (Verkauf, MBI, PE) machte 2024 bereits 54 Prozent aller Nachfolgen aus, gegenüber 38 Prozent 2010 laut IfM Bonn Zeitreihe.

Wie hoch ist der Freibetrag beim Firmenverkauf ab 55?

Nach § 16 Abs. 4 EStG beträgt der Freibetrag 45.000 Euro und schmilzt ab einem Veräußerungsgewinn von 136.000 Euro ab. Ab 181.000 Euro Gewinn ist er vollständig aufgezehrt und praktisch bedeutungslos für LMM-Deals. Wichtiger ist der ermäßigte Steuersatz nach § 34 EStG, der einmalig im Leben für Veräußerungsgewinne bis 5 Millionen Euro genutzt werden kann.

Wann greift die Notarielle Beurkundung bei einer GmbH?

Nach § 15 Abs. 3 und 4 GmbHG muss jeder Verkauf von GmbH-Anteilen notariell beurkundet werden, sowohl der schuldrechtliche Kaufvertrag als auch die dingliche Abtretung. Bei zehn Millionen Euro Kaufpreis fallen laut GNotKG etwa 26.000 bis 35.000 Euro Notarkosten an, meist paritätisch geteilt. In Österreich verlangt § 76 GmbHG einen Notariatsakt, in der Schweiz Art. 785 OR die Öffentliche Beurkundung.

Wie hoch sind die BAFA-Zuschüsse für Nachfolgeberatung?

Das Programm Förderung unternehmerischen Know-hows gewährt bis zu 3.500 Euro Zuschuss je Beratung, mit einer Förderquote von 50 bis 80 Prozent je nach Bundesland. Bis zu drei Beratungen sind kumulierbar. Der Antrag muss über die BAFA-Leitstelle vor Beratungsbeginn gestellt werden. Für Handwerksbetriebe stehen zusätzlich Kammer-Beratungen kostenfrei zur Verfügung.

Wie lange dauert ein Firmenverkauf im DACH-Raum?

Ein strukturierter Auktionsprozess dauert im DACH-LMM-Segment typischerweise sechs bis neun Monate von Mandatserteilung bis Signing, plus vier bis zwölf Wochen bis zum Closing. Bilaterale Verhandlungen ohne Auktion schließen häufig in drei bis fünf Monaten ab. Distressed-Situationen werden in acht bis zwölf Wochen abgewickelt, mit entsprechenden Bewertungsabschlägen von 30 bis 50 Prozent.

Was ist der Unterschied zwischen Share Deal und Asset Deal?

Beim Share Deal werden die Gesellschaftsanteile übertragen, beim Asset Deal einzelne Wirtschaftsgüter. Verkäufer bevorzugen den Share Deal wegen Teileinkünfteverfahren (28,5 Prozent effektive Belastung), Käufer den Asset Deal wegen Step-up und Abschreibung des Firmenwerts über 15 Jahre. Der Kaufpreis kompensiert diesen Konflikt in der Praxis über einen Step-up-Ausgleich.

Wie hoch sind die Erfolgshonorare deutscher M&A-Berater?

Im DACH-LMM-Segment liegt die Success Fee typischerweise zwischen 1 und 3 Prozent des Enterprise Value nach Lehman-Skala, mit einer Mindestgebühr von 150.000 bis 500.000 Euro. Zusätzlich fallen Monthly Retainer von 10.000 bis 30.000 Euro an sowie Milestone Fees. Bei einem 20-Millionen-Euro-Deal betragen die Gesamthonorare 300.000 bis 600.000 Euro.

Welche PE-Häuser sind bei Nachfolgesituationen am aktivsten?

Nach BVK-Statistik 2024 sind Auctus Capital Partners (München), Ufenau Capital Partners (Pfäffikon SZ), Findos Investor (München), Nord Holding (Hannover), Halder (Frankfurt) und Waterland Private Equity (München/Hamburg/Zürich) die aktivsten LMM-Käufer im DACH-Raum. Auctus und Ufenau haben spezialisierte Buy-and-Build-Strategien für Handwerks-, Healthcare- und B2B-Services-Rollups.