Aktualisiert Q3 2026 von CT Acquisitions.
Firma Verkauf: Der DACH-Leitfaden 2026 für Mittelständler
Ein Firma Verkauf ist für die meisten Mittelständler in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein einmaliger Prozess, mit dem sie 20 oder 30 Jahre Lebenswerk kapitalisieren. Dieser Leitfaden beschreibt in 14 Fragen und einer FAQ-Sektion, wie ein Firma Verkauf im DACH-Raum 2026 tatsächlich abläuft: Marktumfeld, Berater-Ökonomie, Multiples nach Segment, Steuerlogik, Rechtsformalien, Käufertypen und Prozessmechanik. Alle Zahlen sind an ihre Primärquelle geknüpft.
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Das Wichtigste in Kürze
- Der deutsche M&A-Markt zählte 2024 rund 2.100 abgeschlossene Transaktionen, davon mehr als 65 Prozent im Lower Mid Market unter €250 Mio. Enterprise Value (Quelle: EY M&A Barometer DACH).
- Bis Ende 2027 stehen laut KfW Nachfolge-Monitor 560.000 mittelständische Unternehmen zur Nachfolge an, davon 190.000 ohne konkrete Lösung.
- EBITDA-Multiples liegen 2025 nach Argos Wityu Index H2 2025 im Segment €3 bis €10 Mio. EBITDA bei median 6,0x bis 7,5x, mit Sektor-Premiums für Software und MedTech.
- Der Verkauf einer GmbH über eine Holding-Struktur nach § 8b KStG erlaubt eine effektive Steuerbelastung von rund 1,5 Prozent statt 28,5 Prozent im Teileinkünfteverfahren, wenn die 7-jährige Sperrfrist eingehalten wird.
- Sell-Side-Prozesse laufen 6 bis 9 Monate, Warranty & Indemnity Versicherungen decken 2024 rund 45 Prozent aller DACH-Deals über €25 Mio. EV ab (Quelle: Marsh Global M&A Insurance Trends).
- Die notarielle Beurkundung eines GmbH-Anteilsverkaufs kostet bei €10 Mio. Kaufpreis rund €26.000 bis €35.000 Notargebühren (GNotKG-Skala).
- BAFA fördert Beratung bis €3.500 pro KMU-Beratung, kumulierbar bis drei Mal (Quelle: BAFA).
Was macht ein Firmenverkauf-Berater konkret?
Ein M&A-Berater für einen Firma Verkauf koordiniert Vendor Due Diligence, erstellt das Information Memorandum, definiert die Käufer-Long-List, moderiert den Auktionsprozess, verhandelt Term Sheet und SPA und begleitet bis zum Vollzug. Für ein Mandat im Bereich €1 bis €25 Mio. EBITDA arbeiten spezialisierte Boutiquen wie Lincoln International, Concentro, Oaklins oder ACXIT nach Lehman-Skala mit 1 bis 3 Prozent Success Fee.
In DACH-Sell-Side-Mandaten übernimmt der Berater praktisch alle Aufgaben, die der Verkäufer selbst weder personell noch prozessual leisten kann: Aufbereitung der Financial Fact Book, Bereinigung der EBITDA um nicht-operative Posten, Konstruktion eines Auktionsverfahrens mit typischerweise 20 bis 40 Bietern nach NDA-Signature, Steuerung des Q&A-Prozesses im virtuellen Datenraum, Verhandlung der Reps & Warranties und Absicherung der Kaufpreisstruktur (Locked Box vs. Completion Accounts).
Der ökonomische Nutzen eines Beraters ist empirisch belegt: Nach Auswertungen der FINANCE M&A Panel Q4 2025 erzielen Sell-Side-Mandate mit strukturiertem Auktionsprozess im Median 1,5 bis 2,0 EBITDA-Multiples höhere Bewertungen als bilaterale Verhandlungen. Wer sein Unternehmen ohne Advisor an den erstbesten Käufer verkauft, lässt bei einem €5 Mio. EBITDA-Unternehmen also 7,5 bis 10 Mio. Euro auf dem Tisch liegen. Die vollständige Advisor-Ökonomie beschreiben wir separat unter Unternehmensverkauf-Beratung.
Wie funktioniert Firmenverkauf im DACH-Raum 2026?
Der DACH-M&A-Markt zählte 2024 rund 2.100 Transaktionen in Deutschland, 315 in Österreich und 493 in der Schweiz (Quelle: KPMG Clarity on M&A 2025). 65 bis 70 Prozent aller Deals sind Lower Mid Market unter €250 Mio. EV. Nach der Zinsentspannung der EZB von 4,50 auf 3,25 Prozent bis Ende 2025 ist Sponsor-Aktivität zurück, kombiniert mit 22.400 Unternehmensinsolvenzen 2024 und einem strukturellen Nachfolge-Zufluss.
Der deutsche Markt hat sich nach dem Zinsschock 2022 und 2023 stabilisiert. Das aggregierte Dealvolumen 2024 lag laut EY bei rund €82 Mrd. gegenüber €62 Mrd. in 2023. Österreich verharrte mit €14 Mrd. auf Vorjahresniveau. Die Schweiz kam auf USD 122 Mrd., allerdings verzerrt durch mehrere Cross-Border-Megadeals mit Schweizer Beteiligung.
Zwei strukturelle Treiber prägen den DACH-Markt 2026. Erstens die Rückkehr der Financial Sponsors: Die BVK-Statistik 2024 weist deutsche PE-Investitionen von €12,3 Mrd. aus, gegenüber €9,7 Mrd. in 2023, aber immer noch unter dem Peak von €18,2 Mrd. in 2021. Zweitens der Distressed-Anteil: Nach Destatis stiegen die Unternehmensinsolvenzen 2024 auf 22.400, ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber Vorjahr. Distressed-Verkäufe machten rund 12 Prozent des Dealvolumens aus (Falkensteg Distressed M&A Studie 2025). Sektor-Schwerpunkte 2024 bis 2026 sind IT-Services und MSP, SHK-Handwerk mit Wärmepumpen-Boom, Erneuerbare Energien, MedTech und Spezialchemie.
Ein häufig übersehener Punkt: US-Käufer waren 2024 mit rund 190 Transaktionen die aktivsten Auslandsinvestoren in DACH, vor UK und Frankreich. Für einen DACH-Unternehmer, der einen substanziellen Kaufpreis erzielen will, ist der US-Käufermarkt daher keine exotische Option, sondern die wahrscheinlichste Herkunft eines strategischen Bieters oder Sponsor-Portfolios.
Welche EBITDA-Multiples werden im DACH-Mittelstand 2026 gezahlt?
Für EBITDA von €1 bis €3 Mio. liegen die Median-Multiples 2025 bei 4,5x bis 5,5x, für €3 bis €10 Mio. bei 6,0x bis 7,5x, für €10 bis €20 Mio. bei 7,5x bis 9,5x und ab €20 Mio. Mid-Market bei 9,0x bis 11,0x (Quelle: Argos Wityu Index H2 2025 und DUB Multiples Report 2025). Software erzielt 2 bis 4x Aufschlag, MedTech 1,5 bis 2,5x, wiederkehrende Wartungsumsätze >30 Prozent zusätzlich +1x.
Multiples sind das dominante Bewertungsinstrument, weil DCF-Modelle im Mittelstand an der Prognose-Unsicherheit scheitern und der Substanzwert nur eine Untergrenze in Insolvenznähe darstellt. Der deutsche Berufsstandard IDW S1 (Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen) verlangt formal ein Ertragswertverfahren, das in gerichtlichen Spruchverfahren dominant ist. In der praktischen M&A-Verhandlung sind Multiples aber das, was auf der Tabelle steht.
| EBITDA-Bandbreite | Median EV/EBITDA-Multiple 2025 | Bandbreite (25. bis 75. Perzentil) | Typische Käufergruppe |
|---|---|---|---|
| €1 bis €3 Mio. (Micro-Cap, Handwerk, Nischen-KMU) | 4,5x bis 5,5x | 3,5x bis 6,5x | Strategisch regional, MBI, Search Fund |
| €3 bis €10 Mio. (Klassischer Mittelstand) | 6,0x bis 7,5x | 5,0x bis 9,0x | Sponsor-Add-on, Family Office, Strategisch |
| €10 bis €20 Mio. (Upper Lower Mid Market) | 7,5x bis 9,5x | 6,5x bis 11,0x | PE-Plattform, Strategisch international |
| €20 bis €100 Mio. (Mid Market) | 9,0x bis 11,0x | 8,0x bis 13,5x | Bulge-Bracket-PE, Strategisch, Cross-Border |
Sektor-Premiums 2025 relativ zum Basismultiple: Software und SaaS 2 bis 4x, teilweise mit Umsatzmultiples bei ARR-Modellen. MedTech und Pharma-Zulieferer 1,5 bis 2,5x. Erneuerbare Energien und Spezialmaschinenbau 1 bis 2x. Handwerksbetriebe SHK und Elektro als Rollup-Play 5,0x bis 7,0x, mit +1x wenn wiederkehrende Wartungsumsätze über 30 Prozent liegen. Klassischer zyklischer Maschinenbau -0,5 bis -1x. Distressed und Turnaround 3,0x bis 4,5x. Für eine strukturierte Multiples-Analyse Ihres Unternehmens verweisen wir auf Firma verkaufen: Wert ermitteln.
Welche Private-Equity-Plattformen kaufen aktuell Firmenverkauf-Unternehmen im DACH-Raum?
Im DACH-LMM aktiv sind unter anderem Deutsche Beteiligungs AG (Frankfurt), Auctus Capital Partners (München, Fund VI €650 Mio.), Ufenau Capital Partners (Pfäffikon SZ, Ufenau VII €1 Mrd.), Waterland (Buy-and-Build), Equistone (Fund VII €2,9 Mrd.), Halder, Nord Holding, Emeram, Afinum sowie Bencis, IK Partners und Rivean Capital. Für Nachfolgesituationen mit €3 bis €50 Mio. EV sind Auctus, Ufenau, Findos und Halder besonders sichtbar.
Die DACH-PE-Landschaft ist stark ausdifferenziert nach Segment und Sektor. Im deutschen Kernmarkt operieren traditionell fundierte Häuser wie die börsennotierte Deutsche Beteiligungs AG mit DBAG Fund VIII (€1,1 Mrd., 2020 geschlossen, Fokus EV €50 bis €250 Mio., Industrieautomation und IT-Services), Halder Beteiligungsberatung in Frankfurt mit Halder-GIMV Germany III (€322 Mio.), capiton AG in Berlin (capiton VI €560 Mio., DACH-Mittelstand €30 bis €200 Mio.), Nord Holding aus Hannover mit Evergreen-Struktur seit 1969 (>€400 Mio. investiert), Paragon Partners (Fund IV €783 Mio.), Emeram Capital Partners (Fund II €400 Mio.), Afinum Management (Afinum X €625 Mio.) und Equistone Partners Europe (Fund VII €2,9 Mrd.) mit DACH-Mid-Market-Fokus €50 bis €300 Mio. EV.
Für Nachfolgesituationen im engeren Sinne und Buy-and-Build-Strategien sind vor allem Auctus Capital Partners in München (Fund VI €650 Mio., 2022 geschlossen, sehr aktiv in Dental, Optik, Veterinär, IT-Services und Handwerksketten), ARCUS Capital AG (KMU €5 bis €30 Mio. EV, Buy-and-Build), Findos Investor (Kleinunternehmen €3 bis €25 Mio. EV, oft Nachfolge), Odewald KMU in Berlin (Odewald KMU II €200 Mio.), BID Equity in Hamburg (Software-Investor DACH und Nordeuropa) sowie Perusa Partners für Special-Situations relevant.
Im österreichischen Markt operieren Invest AG in Linz (Beteiligungsgesellschaft der Oberbank-Gruppe, klassisches KMU-Nachfolge-Mandat), Ithuba Capital in Wien und die Industrieholding B&C in Wien. In der Schweiz sind CGS Management in Pfäffikon SZ (Fund V CHF 500 Mio., DACH-Industriemittelstand), Invision Private Equity in Zug (Fund VI CHF 300 Mio., Nachfolgeregelungen), Capvis Equity Partners in Zürich (Fund V CHF 1,2 Mrd.), Ufenau Capital Partners in Pfäffikon SZ (Ufenau VII €1 Mrd., LMM-Buyouts €20 bis €200 Mio. EV mit B2B-Services-Fokus), Patrimonium Private Equity und Zurmont Madison maßgeblich.
Aus dem europäischen Umfeld sind besonders aktiv: Waterland Private Equity aus Bussum mit Büros in München, Hamburg und Zürich (Fund VIII €2,5 Mrd., Buy-and-Build in Fitness, Healthcare, Bildung und IT-Services), Bencis Capital Partners aus Düsseldorf (Fund VI €700 Mio.), IK Partners mit Hamburg-Büro (IK Small Cap III €1,2 Mrd.), Rivean Capital (vormals Gilde) mit Rivean VI €1,25 Mrd., Bridgepoint und Triton Partners aus Frankfurt sowie Ardian mit Buyout Fund VIII.
Was kostet Firmenverkauf, Honorare, Retainer, Success Fees?
DACH-Sell-Side-Advisor-Honorare bestehen aus drei Komponenten: Monatsretainer €10.000 bis €30.000 über typisch 6 bis 9 Monate, Success Fee 1 bis 3 Prozent des Enterprise Value nach modifizierter Lehman-Skala mit Untergrenze €150.000 bis €500.000, plus Milestone Fees für definierte Zwischenschritte. Notarkosten kommen dazu (bei €10 Mio. Kaufpreis rund €26.000 bis €35.000 GNotKG), ebenso Rechtsberatung (€150.000 bis €400.000 für LMM-SPA), Steuerberatung, W&I-Prämien (0,9 bis 1,4 Prozent der Deckungssumme laut Marsh Global M&A Insurance Trends) und Financial Due Diligence (€80.000 bis €250.000).
Die Honorarstruktur ist im DACH-Markt gut standardisiert, wenn auch nicht transparent publiziert. Der Monatsretainer wird von seriösen Beratern in aller Regel auf die Success Fee angerechnet. Das schützt den Verkäufer davor, dass der Berater aus dem Retainer allein Deckungsbeitrag zieht und den Deal nicht wirklich zum Closing bringt. Die klassische Lehman-Skala (5 Prozent auf die ersten Millionen, dann degressiv) ist in DACH weitgehend abgelöst durch pauschale 1 bis 3 Prozent oder eine “Doppel-Lehman” mit 10-8-6-4-2 Prozent auf jeweils die erste Million.
Vorsicht bei “Erfolgshonoraren ab 5 Prozent” ohne Untergrenze: das signalisiert häufig Kleinstberater ohne institutionelle Käuferzugänge, die dann auf Free-Marketplaces wie firmenzukaufen.de listen. Der resultierende Käuferkreis ist regional, unstrukturiert und preistechnisch schwach. Umgekehrt: eine strikte Untergrenze von €500.000 ist bei Deals unter €5 Mio. EV kritisch, weil sie effektiv 10 Prozent des Deals verschlingt. Für Deals in dieser Größenordnung sind Beratern wie Concentro in München/Nürnberg/Stuttgart oder regionale Mittelstands-Boutiquen die realistische Wahl.
Wie unterscheidet sich Asset Deal von Share Deal steuerlich?
Beim Share Deal (Anteilsverkauf) übertragen Verkäufer die Gesellschaftsanteile. Steuerlich greift für natürliche Personen im Privatvermögen das Teileinkünfteverfahren nach § 3 Nr. 40 EStG: 60 Prozent des Gewinns sind steuerpflichtig, 40 Prozent steuerfrei. Bei Verkauf über eine Holding-GmbH sind nach § 8b KStG 95 Prozent des Gewinns steuerfrei. Beim Asset Deal überträgt die Gesellschaft einzelne Wirtschaftsgüter und Verbindlichkeiten, was zu vollem Körperschaftsteuer- und Gewerbesteueranfall auf stille Reserven führt. Der Käufer bevorzugt Asset Deal wegen Step-up der Buchwerte und Firmenwert-Abschreibung über 15 Jahre.
Die steuerliche Asymmetrie zwischen Käufer- und Verkäuferpräferenz ist einer der Kern-Kaufpreisverhandlungspunkte im deutschen M&A. Der Verkäufer als natürliche Person zahlt beim Share Deal effektiv rund 28,5 Prozent (60 Prozent × 47,475 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag, wo noch fällig). Bei Verkauf über eine Holding-GmbH nach § 8b KStG sind 95 Prozent des Gewinns steuerfrei, 5 Prozent gelten als nicht abziehbare Betriebsausgabe, effektiv rund 1,5 Prozent Belastung. Die Differenz ist so groß, dass sich der Aufbau einer Holding-Struktur oft schon bei kleinen und mittleren Verkäufen rechnet.
Wichtiger Vorbehalt: Zwischen Gründung der Holding durch Einbringung nach § 20 UmwStG (zu Buchwerten) und Verkauf müssen sieben Jahre liegen. Sonst kommt es zu einem Sperrfristverstoß nach § 22 UmwStG mit rückwirkender Besteuerung. Für die praktische Konsequenz heißt das: wer erst 12 Monate vor Verkauf über eine Holding nachdenkt, hat die 7-Jahres-Sperre verpasst. Steuerplanung startet 5 bis 7 Jahre vor dem Verkauf, nicht 5 bis 7 Monate.
Für den Käufer sieht die Rechnung umgekehrt aus. Beim Asset Deal kann er die Buchwerte auf die tatsächlich gezahlten Kaufpreise anheben (Step-up), einen Firmenwert bilden und über 15 Jahre planmäßig abschreiben (§ 7 EStG in Verbindung mit § 246 HGB). Diese Abschreibungspotenziale sind im Barwert oft 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises wert. Deshalb bieten Käufer beim Asset Deal typischerweise einen höheren Bruttopreis als beim Share Deal, was den Verkäufer bei entsprechend hohem persönlichen Steuersatz teilweise kompensiert. Vertiefung unter Firma verkaufen: Steuern.
Welche § 16 EStG-Freibeträge gelten beim Verkauf?
Nach § 16 Abs. 4 EStG gilt ein Freibetrag von €45.000 ab Vollendung des 55. Lebensjahres oder bei dauernder Berufsunfähigkeit. Der Freibetrag reduziert sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn €136.000 übersteigt. Ab €181.000 Gewinn ist er vollständig aufgezehrt. Zusätzlich einmal im Leben nutzbar: der ermäßigte Steuersatz nach § 34 EStG (56 Prozent des Durchschnittssteuersatzes, mindestens 14 Prozent) für Veräußerungsgewinne bis €5 Mio.
Beide Regelungen haben eine gemeinsame Zielrichtung: die steuerliche Milderung des einmaligen, altersbedingten Betriebsverkaufs. Der Freibetrag von €45.000 mag beim LMM-Deal marginal wirken, hilft aber bei Kleinunternehmern und Freiberuflern spürbar. Die Fünftelregelung nach § 34 EStG ist deutlich substanzieller. Sie glättet die Steuerprogression, indem der außerordentliche Ertrag rechnerisch auf fünf Jahre verteilt wird. Der ermäßigte Steuersatz nach § 34 Abs. 3 EStG (halber Durchschnittssteuersatz, mindestens 14 Prozent) ist die konsequente Erweiterung für Verkäufer 55+.
Wichtig: § 16 EStG greift bei Einzelunternehmen und Mitunternehmerschaften. Für die Veräußerung von GmbH-Anteilen im Privatvermögen greift § 17 EStG mit dem Teileinkünfteverfahren, wobei die genannten Freibeträge nach § 17 Abs. 3 EStG sinngemäß Anwendung finden. Die Fünftelregelung und der ermäßigte Steuersatz gelten für beide Fälle. Alle Regelungen sind einmalig im Leben in Anspruch zu nehmen. Wer zwei Unternehmen nacheinander verkauft, muss strategisch entscheiden, wo er den Hebel setzt.
Wie lange dauert ein Firmenverkauf-Prozess?
Ein DACH-LMM-Sell-Side-Prozess (€5 bis €50 Mio. EV, betreuter Auktionsprozess) dauert typischerweise 6 bis 9 Monate von Mandatserteilung bis Signing. Vorbereitung 6 bis 10 Wochen, Marktansprache Phase 1 (Teaser und NDA) 3 bis 4 Wochen, Indikative Angebote 4 Wochen, Phase 2 (DD und Management Presentations) 6 bis 10 Wochen, Verbindliche Angebote 2 bis 3 Wochen, Verhandlung und Signing 3 bis 6 Wochen. Danach Closing (Vollzug) 4 bis 12 Wochen für Kartellfreigabe und sonstige Bedingungen.
| Phase | Dauer | Kernaktivität | Verkäufer-Aufwand (Stunden/Woche) |
|---|---|---|---|
| Vorbereitung | 6 bis 10 Wochen | Vendor DD, Info-Memorandum, Financial Fact Book, Long-List, NDA-Pack | 10 bis 20 |
| Marktansprache Phase 1 | 3 bis 4 Wochen | Teaser-Versand, NDAs, IM-Freigabe an Interessenten | 5 bis 10 |
| Indikative Angebote (IOIs) | 4 Wochen | Bewerber legen indikative Angebote vor, Berater filtert | 5 bis 10 |
| Phase 2, DD und Management Presentations | 6 bis 10 Wochen | Physischer und virtueller Datenraum offen, Q&A-Prozess, Site Visits | 20 bis 40 |
| Verbindliche Angebote | 2 bis 3 Wochen | Käufer legen Binding Offers inkl. markierter SPA vor | 10 bis 20 |
| Verhandlung und Signing | 3 bis 6 Wochen | SPA-Verhandlung, Notariat-Termin, Signing | 15 bis 30 |
| Closing (Vollzug) | 4 bis 12 Wochen | Kartellfreigabe, sonstige Bedingungen, Kaufpreiszahlung | 3 bis 8 |
Bei bilateralen Verhandlungen ohne Auktion (direkter Verkauf an einen bekannten strategischen Käufer) läuft der Prozess oft in 3 bis 5 Monaten. Der Preisverzicht ist allerdings signifikant: ohne Bieter-Wettbewerb fehlt der externe Preisdruck. Die Entscheidung Auktion vs. Bilateral hängt daher an einer Abwägung zwischen Vertraulichkeit (Bilateral gewinnt), Bewertungsoptimierung (Auktion gewinnt) und Käufer-Fit (variiert).
Welche Unterlagen erwarten Käufer im Datenraum?
Der DACH-M&A-Datenraum umfasst typischerweise 8 Streams: Corporate (Gesellschaftsverträge, Register), Financial (5 Jahre BWA, Jahresabschlüsse, Steuerbescheide), Tax (laufende Prüfungen, latente Steuern), Commercial (Kunden-, Lieferantenverträge, Marktdaten), Legal (Verträge, IP, Litigation, Compliance), HR (Anstellungsverträge, Betriebsräte, Tarifbindung, Pensionsverpflichtungen § 4b BetrAVG), Operational (Prozesse, IT-Systeme, Supply Chain) und ESG/Environmental (Altlasten, EU-Taxonomie, CSRD-Berichtspflichten). Marktführende VDR-Provider sind Datasite, Intralinks, Drooms (Frankfurt), Firmex, iDeals und Ansarada.
Die Kunst des Datenraums liegt in der Vollständigkeit ohne Übererfüllung. Ein leerer oder chaotischer Datenraum zerstört Preis (Käufer preist Unsicherheit als Discount ein). Ein überladener Datenraum mit irrelevanten Dokumenten frustriert Käufer und verlängert den Q&A-Prozess. Bei einem LMM-Deal umfasst das Q&A-Volumen typischerweise 200 bis 500 Fragen, bei Mid-Market-Deals über 1.000 Fragen. Der VDR-Provider Drooms aus Frankfurt hat sich in DACH als Standard etabliert, ebenso Datasite (US-Marktführer) und Intralinks (SS&C).
Ein häufig unterschätzter Datenraum-Bestandteil: die Financial Fact Book mit einer Bereinigung der EBITDA um nicht-operative Posten. Käufer prüfen jede Bereinigung kritisch. Typische Streitpunkte: Managerbezüge des scheidenden Inhabers (Käufer akzeptiert Bereinigung nur wenn Nachfolge geregelt), Miete an eigene Objekt-GmbH (Käufer verlangt Marktmieten), private Nutzungsanteile (Fahrzeuge, Reisen). Ein sauberer Quality of Earnings Report von Big-Four-FDD (typisch KPMG, PwC, EY oder Deloitte) legitimiert Bereinigungen und schützt den Kaufpreis.
Wie läuft eine Notarielle Beurkundung des GmbH-Anteilsverkaufs?
Nach § 15 Abs. 3 und 4 GmbHG ist die notarielle Beurkundung sowohl des schuldrechtlichen Kaufvertrags als auch der dinglichen Anteilsübertragung zwingend erforderlich. Notarkosten nach GNotKG richten sich nach Geschäftswert: bei €10 Mio. Kaufpreis rund €26.000 bis €35.000 (Kaufvertrag plus Vollzug), bei €25 Mio. rund €50.000 bis €70.000. In Österreich verlangt § 76 GmbHG einen Notariatsakt, in der Schweiz Art. 785 OR eine öffentliche Beurkundung bei Stammanteilen der GmbH.
Die notarielle Beurkundung ist kein Formalismus, sondern ein aktiver Prüfungsschritt. Der Notar liest den Vertrag vollständig vor (in der Praxis oft mit Zustimmung beider Parteien in verkürzter Form für Anhänge). Das schafft eine letzte Gelegenheit, Diskrepanzen zwischen mündlichen Verhandlungsergebnissen und Vertragstext zu identifizieren. Der Termin dauert bei komplexen LMM-Verträgen 4 bis 8 Stunden. Praktische Empfehlung: den Notartermin nie vor Klärung aller offenen Verhandlungspunkte ansetzen, weil sonst der teure Termin für die Ausarbeitung von Kompromissen genutzt wird.
Die geographische Zuständigkeit des Notars ist in Deutschland frei wählbar, bei GmbH-Anteilsübertragungen wird oft ein Notar am Sitz der Gesellschaft bevorzugt (praktisch für Handelsregister-Anmeldung nach § 40 GmbHG). In der Schweiz ist der Kanton entscheidend: Beurkundungen durch Notare oder Amtsstellen des jeweiligen Kantons. In Österreich kann jeder öffentliche Notar den Notariatsakt errichten. Bei internationalen Verkäufen (deutscher Käufer, schweizer Zielgesellschaft) sind zusätzlich Apostillen und ggf. Legalisationsverfahren erforderlich.
Welche BKartA-Fusionskontrollschwellen sind zu beachten?
Nach § 35 GWB besteht Anmeldepflicht beim Bundeskartellamt, wenn die weltweiten Umsätze aller Beteiligten €500 Mio. übersteigen UND ein Beteiligter im Inland mehr als €50 Mio. UND ein weiterer im Inland mehr als €17,5 Mio. erzielt. Zusätzlich seit 2021 die Transaktionswertschwelle: Kaufpreis über €400 Mio. mit erheblicher Inlandstätigkeit. Die Bagatellklausel § 35 Abs. 2 GWB entfällt bei Ziel-Inlandsumsatz unter €20 Mio. Damit sind viele LMM-Deals BKartA-anmeldefrei.
Für DACH-LMM-Deals sind vier Regime relevant. Erstens das deutsche GWB mit den genannten Schwellen. Zweitens das österreichische Kartellgesetz: Weltumsatz über €300 Mio., Österreich-Umsatz über €30 Mio. und zwei Beteiligte je über €1 Mio. Weltumsatz. Drittens das Schweizer Kartellgesetz: Weltumsatz über CHF 2 Mrd. oder zwei Beteiligte in der Schweiz je über CHF 500 Mio. oder marktbeherrschende Stellung. Viertens die EU-Fusionskontrolle nach FKVO 139/2004: Gesamtumsatz weltweit über €5 Mrd., zwei Beteiligte EU-Umsatz je über €250 Mio. (mit einer zweiten Aufgriffsschwelle für kleinere Cross-Border-Deals).
Praktische Konsequenz für den Verkäufer: die kartellrechtliche Freigabe ist eine der klassischen Closing-Bedingungen (Conditions Precedent) im SPA. Phase I beim BKartA dauert einen Monat, Phase II bis zu 4 Monate. Bei EU-Anmeldung an die DG Comp: 25 Arbeitstage Phase I, 90 Arbeitstage Phase II. Bei komplexen horizontalen Zusammenschlüssen können Zusagen (Divestitures, Behavioral Remedies) verhandelt werden, die den Zeitraum weiter strecken. Neben der Fusionskontrolle sind Investitionsprüfungen nach AWG/AWV bei Nicht-EU-Käufern zu beachten, insbesondere bei Zielunternehmen in kritischer Infrastruktur, Verteidigung, Halbleiter, KI und Biotech.
Wie strukturiert man Earn-out und Kaufpreis-Anpassungen?
Earn-Outs sind bedingte Kaufpreisbestandteile, typischerweise 20 bis 40 Prozent des Kaufpreises, mit einer Laufzeit von 2 bis 3 Jahren nach Closing. KPI-Metriken sind EBITDA (am häufigsten, aber streitanfällig durch Definitionsspielräume), Umsatz (klarer messbar), Bruttomarge oder Meilensteine wie Zulassungen und Kundengewinnung. Nach FINANCE M&A Panel Q4 2024 enthielten rund 34 Prozent aller DACH-LMM-Sponsor-Deals eine Earn-Out-Komponente, Anstieg von 22 Prozent 2021. Kaufpreisanpassungen erfolgen über Locked Box (fixer Preis, No Leakage) oder Completion Accounts (Adjustment nach Closing).
Die Wahl der Kaufpreisformel prägt Risikoverteilung und Streitpotenzial. Die Locked Box setzt einen fixen Kaufpreis auf Basis einer Referenzbilanz zu einem definierten Locked-Box-Datum. Der Verkäufer garantiert “No Leakage” (keine Wertabflüsse) zwischen Locked-Box-Datum und Closing. Der Käufer trägt das operative Risiko ab Locked-Box-Datum und profitiert von Erträgen. Ein Ticker (Value Accrual) kompensiert den Verkäufer für die Kapitalbindung. Nach Freshfields Locked Box Study 2024 ist die Locked Box in Europa dominant, in DACH-Deals mit rund 60 bis 70 Prozent Anteil.
Die Completion Accounts sind das US-Standardmodell: der Kaufpreis wird nach Closing anhand einer Stichtagsbilanz angepasst. Typische Adjustierungen: Netto-Verschuldung (Cash minus Debt) und Working Capital gegen Normal Working Capital. Aufwändig, streitanfällig, aber genauer. Bei US-Käufern in DACH wird häufig eine hybride Struktur verhandelt: Locked Box mit ergänzenden Completion-Adjustierungen für Debt-like Items.
Earn-Outs sollten klar strukturiert sein. Die drei häufigsten Fehler: EBITDA-Definitionen ohne detaillierte Berechnungsvorschrift (schafft jährliche Streitigkeiten), fehlende Schutzmechanismen für den Verkäufer (Käufer könnte durch Investitionsentscheidungen das EBITDA drücken) und fehlende Streitschlichtungsklausel (Schiedsgutachter Standard, aber muss namentlich vereinbart sein). Praktische Empfehlung: Umsatz-Earnouts sind klarer messbar als EBITDA-Earnouts. Kappungen (Cap und Floor) begrenzen Risiken auf beiden Seiten.
Wie interviewt man einen deutschen M&A-Berater richtig?
Ein Erstgespräch mit einem M&A-Berater sollte folgende Kernfragen klären: Wie viele Sell-Side-Mandate im Segment €X bis €Y EBITDA wurden in den letzten 24 Monaten abgeschlossen? Welche Käufergruppen (Strategisch, PE, Family Office) waren die Käufer? Wie sieht die konkrete Honorarstruktur (Retainer, Success Fee, Milestone Fee) aus? Wer im Team führt persönlich das Mandat und wie viele parallele Mandate hat diese Person? Welche Datenraum-Software wird genutzt? Referenzen von verkauften Klienten (mit Erlaubnis) sind der härteste Prüfstein.
Die DACH-Beraterlandschaft ist stark ausdifferenziert. Für LMM-Deals sind vier Kategorien relevant. Erstens: Bulge-Bracket-Boutiquen mit DACH-Präsenz wie Rothschild & Co (Frankfurt, Zürich, Wien), Lazard (Frankfurt, Zürich), Houlihan Lokey (Frankfurt), Lincoln International (Frankfurt HQ, Zürich, Wien, deutscher Marktführer nach Anzahl LMM-Sell-Side-Mandaten), Alantra (Frankfurt, München, Zürich), William Blair und Raymond James. Zweitens: DACH-native Boutiquen wie Oaklins (Deutschland, Schweiz, Österreich), Concentro Management (München, Nürnberg, Stuttgart, hoher Marktanteil bei Nachfolge- und Sondersituationen), ACXIT Capital Partners (Frankfurt, München, Zürich, Wien), Angermann M&A International (Hamburg), Proventis Partners, Klein & Coll., Cortent Capital und Saxenhammer & Co. für Distressed. Drittens: Big-Four-Corporate-Finance-Praxen von KPMG, EY-Parthenon, PwC Deals DACH und Deloitte Corporate Finance mit breitem Sektor-Deal-Flow. Viertens: deutsche Bankberatung (NORD/LB, DZ Bank, Commerzbank Corporate Finance) sowie in der Schweiz UBS Corporate Finance, Julius Bär und Vontobel. In Österreich sind Erste Group Corporate Finance und Raiffeisen Investment AG führend im CEE-Mittelstand.
| Beratertyp | Typische Deal-Größe (EV) | Honorar-% Success Fee | Timeline | Beispiele |
|---|---|---|---|---|
| Bulge-Bracket-Investment-Bank | €250 Mio.+ | 0,5 bis 1,5 % (mit hoher Untergrenze) | 9 bis 12 Monate | Rothschild, Lazard, Houlihan Lokey |
| LMM-Boutique international | €25 bis €500 Mio. | 1 bis 2 % | 6 bis 9 Monate | Lincoln International, Alantra, William Blair |
| DACH-Native Boutique | €5 bis €100 Mio. | 1,5 bis 3 % | 6 bis 9 Monate | Oaklins, Concentro, ACXIT, Proventis |
| Big-Four Corporate Finance | €10 bis €250 Mio. | 1 bis 2,5 % | 6 bis 10 Monate | KPMG, EY-Parthenon, PwC Deals, Deloitte |
| Regional-Bank Corporate Finance | €3 bis €50 Mio. | 1 bis 3 % | 6 bis 12 Monate | NORD/LB, DZ Bank, Commerzbank CF |
| Kleinstberater / Marketplace | €0,5 bis €5 Mio. | 3 bis 8 % | variiert stark | diverse (Vorsicht bei fehlender Instituts-Historie) |
In unserer Beratung DACH-Unternehmern zwischen 55 und 70 Jahren sehen wir immer wieder denselben Fehler: der Verkäufer wählt einen Berater, den er persönlich kennt (Steuerberater, Hausbank), statt einen der viele vergleichbare Mandate im gleichen EBITDA-Segment abgeschlossen hat. Der resultierende Preisverlust liegt in unserer Erfahrung bei 20 bis 40 Prozent des potenziellen Enterprise Value. Die härteste Frage im Erstgespräch: Welche 5 Käufer haben Sie im letzten Jahr für Mandate in unserer Größe erfolgreich aufgerufen? Wer diese Frage nicht namentlich beantworten kann, ist nicht der richtige Berater.
Welche Red Flags sollten Sie vermeiden?
Die häufigsten Red Flags im DACH-M&A-Prozess: Kundenkonzentration über 25 Prozent bei einem Kunden (drückt Multiple um 1 bis 2x), Inhaberabhängigkeit ohne Nachfolge im Management (-1x Multiple), unbereinigte EBITDA mit vermischten Privat- und Betriebsposten, latente Steuerrisiken aus laufenden Prüfungen, laufende Rechtsstreitigkeiten ohne Rückstellung, Umweltaltlasten bei Grundbesitz, mangelnde IP-Dokumentation. Auf Beraterseite: fehlende Referenzen im Segment, unklare Honorarstruktur, Retainer ohne Anrechnung auf Success Fee, keine institutionellen Käufer-Zugänge.
Die Bewertungs-Kill-Faktoren aus Käufersicht sind gut dokumentiert. Kundenkonzentration ist der teuerste: Wenn ein Kunde mehr als 25 Prozent des Umsatzes ausmacht, preist der Käufer das Cluster-Risiko als 1 bis 2 EBITDA-Multiples ein. Bei 40 Prozent Konzentration wird der Deal für viele PE-Fonds ganz unkaufbar. Inhaberabhängigkeit ist der zweitteuerste: Wenn der scheidende Gesellschafter alleiniger Kundenkontakt, Vertriebsmotor und operativer Kopf ist, muss der Käufer eine 12- bis 24-monatige Übergangsphase mit Earn-Out oder Beraterverhältnis kalkulieren und diskontiert entsprechend.
Unbereinigte EBITDA ist ein Prozess-Killer. Wer im ersten Datenraum keinen sauberen Quality-of-Earnings-Report vorlegt, verliert das Käuferinteresse innerhalb von zwei Wochen. Käufer haben in einem Prozess mit 20 Bietern keine Zeit, aus rohen BWA die operative Ertragskraft selbst zu rekonstruieren. Latente Steuerrisiken aus laufenden Betriebsprüfungen führen typischerweise zu spezifischen Freistellungen im SPA außerhalb des W&I-Caps, was den Netto-Kaufpreis für den Verkäufer effektiv reduziert. Grunderwerbsteuer-Fallen bei Share Deals an grundbesitzenden Gesellschaften: seit 01.07.2021 löst bereits eine Anteilsübertragung von 90 Prozent innerhalb von 10 Jahren Grunderwerbsteuer aus (vorher 95 Prozent und 5 Jahre).
Auf der Beraterseite die wichtigsten Warnzeichen: Kein publiziertes Deal-Track-Record im Segment, keine Prozess-Referenz (der Berater kann keinen abgeschlossenen Deal aus dem letzten Jahr namentlich benennen), Retainer ohne Anrechnung auf Success Fee (Berater lebt vom Retainer, nicht vom Closing) und keine institutionellen Käufer-Kontakte (Berater setzt ausschließlich auf Free-Marketplaces wie nexxt-change oder DUB.de). Free-Marketplaces sind für einen substanziellen LMM-Verkauf ungeeignet: die Käufer sind unstrukturiert, die Vertraulichkeit gering, die Bewertungen entsprechend schwach.
Wie unterscheiden sich Österreich und Schweiz vom deutschen Markt?
Österreich hat 315 M&A-Transaktionen 2024, KESt 27,5 Prozent auf Veräußerungsgewinne, KöSt 23 Prozent seit 2024, Notariatsakt-Pflicht nach § 76 GmbHG und Hälftesteuersatz nach § 37 EStG für 60+ nach 7-jähriger Behaltefrist. Die Schweiz zählt 493 Transaktionen 2024, direkte Bundessteuer 8,5 Prozent auf Gewinn, kantonal stark variabel (Zug 11,85 Prozent, Zürich 19,65 Prozent), Kapitalgewinn im Privatvermögen steuerfrei nach Art. 16 Abs. 3 DBG (Kernvorteil), aber Fallen bei indirekter Teilliquidation und Transposition.
Der österreichische Markt ist volumenmäßig kleiner, strukturell aber ähnlich. Die WKO Follow-me.at-Plattform ist das staatlich unterstützte Pendant zu nexxt-change. Nach WKO Nachfolge-Report 2024 stehen bis 2029 rund 51.500 KMU zur Übergabe an, davon 41.500 mit Nachfolgebedarf. Steuerlich ist Österreich für Privatvermögen-Verkäufe von GmbH-Anteilen durch die pauschale KESt von 27,5 Prozent einfacher als Deutschland: keine Progression, keine Fünftelregelung nötig. Der Hälftesteuersatz nach § 37 EStG für Betriebsveräußerungen ab dem 60. Lebensjahr mit 7-jähriger Behaltefrist ist die österreichische Parallele zum deutschen § 34 EStG. Wichtige Wiener Boutiquen und Kanzleien: Oaklins Austria, Erste Group Corporate Finance, Raiffeisen Investment AG, ACXIT Wien, sowie die Kanzleien Wolf Theiss, Schönherr, Binder Grösswang und CMS Reich-Rohrwig Hainz.
Der Schweizer Markt ist steuerlich für natürliche Personen einzigartig günstig: der Kapitalgewinn aus Privatvermögen ist grundsätzlich steuerfrei nach Art. 16 Abs. 3 DBG. Das ist der zentrale Vorteil des Schweizer Standorts für Firmenverkäufe. Aber Vorsicht vor zwei Fallen. Erstens die indirekte Teilliquidation: wenn der Käufer wesentliche Substanz (z.B. Barreserven) innerhalb von 5 Jahren aus der Zielgesellschaft entnimmt und die Entnahme wirtschaftlich dem Verkäufer zugute kommt, wird die Steuerfreiheit rückwirkend versagt. Zweitens die Transposition: die Übertragung einer Beteiligung des Privatvermögens auf eine selbst beherrschte Gesellschaft (oft Holding) gegen unterpreisige Gegenleistung führt ebenfalls zur Nachbesteuerung. Beide Fallen sind Anlass für den überwiegenden Teil der Schweizer Beratungssituationen. Die Schweizer Nachfolge-Statistik von Bisnode/Dun & Bradstreet weist 91.000 KMU (16 Prozent aller Schweizer Firmen) mit Nachfolgeregelung als Kernthema in den kommenden fünf Jahren aus. Wichtige Zürcher und Zuger Berater: Ufenau Capital Partners, CGS Management, Capvis, Invision, plus die Kanzleien Bär & Karrer, Homburger, Lenz & Staehelin, Niederer Kraft Frey und Walder Wyss.
Wie funktioniert Nachfolge über MBO, MBI, Search Fund und Family Office?
Nach IfM Bonn waren 2024 rund 54 Prozent der DACH-Nachfolgen extern (Verkauf, MBI, PE), 46 Prozent familienintern oder MBO. Die vier Wege: MBO (bestehendes Management kauft, oft mit PE-Finanzierung), MBI (externer Manager kauft, häufig Search Fund oder ETA), familieninterne Übergabe (Schenkung oder Verkauf zu Familienpreisen, Verschonungsabschlag nach § 13a und § 13b ErbStG bis 100 Prozent bei Behaltefrist 5 oder 7 Jahre) und externer Verkauf an Strategisch oder Financial Sponsor. Die deutsche Search-Fund-Szene hat 2025 rund 45 aktive Sucher (Deutsche Search Fund Konferenz Frankfurt Oktober 2025).
Der MBO ist attraktiv, wenn das Management operative Substanz und Verkaufsbereitschaft mitbringt und ein PE-Partner die Finanzierung strukturiert. Vorteil: Kontinuität, Vertraulichkeit, oft steuerlich attraktive Holding-Struktur. Nachteil: das Management ist strukturell befangen, die Preisfindung schwierig, PE-Partner drückt oft auf Verkäuferfinanzierung (Vendor Loan) oder Rollover-Beteiligung.
Der MBI und die zunehmend populäre ETA-Struktur (Entrepreneurship Through Acquisition, das US-Search-Fund-Modell) bringen externes Management mit Kaufkapital. Nach US-Vorbild werden erfahrene Manager oft 35 bis 55 Jahre alt, die 6 bis 24 Monate suchen, dann kaufen und übernehmen. Für DACH-Verkäufer 55+ mit Nachfolgesituation ohne interne Lösung ist der ETA-Käufer eine unterschätzte Option. Finanzierung: KfW ERP-Gründerkredit-Universell (067/068) bis €25 Mio., ERP-Kapital für Gründung (KfW 058) bis €500.000 nachrangig.
Familieninterne Übergabe profitiert vom Verschonungsabschlag nach §§ 13a und 13b ErbStG: 85 Prozent Regelverschonung bei 5-jähriger Behaltefrist und Lohnsummenkontrolle, 100 Prozent Optionsverschonung bei 7-jähriger Behaltefrist. Für Unternehmen mit einem Verwaltungsvermögen unter 20 Prozent des Gesamtvermögens ist die Regelung sehr attraktiv, in vielen Fällen faktische Steuerfreiheit der Nachfolge. Aber: die Lohnsummenkontrolle bindet den Nachfolger für Jahre an operative Vorgaben. Stiftungsmodelle (Familienstiftung, gemeinnützige Doppelstiftung nach Vorbild Bosch-Stiftung, ZEISS-Stiftung, Bertelsmann-Stiftung) sind eine Alternative für sehr langfristig denkende Familien. Vertiefung unter Nachfolge.
Bereit für den nächsten Schritt?
Wenn Sie 6-18 Monate von einem Unternehmensverkauf entfernt sind und einen deutschsprachigen M&A-Berater suchen, der internationale Käufer erreichen kann, ist ein 30-minütiges Erstgespräch der richtige nächste Schritt. Kein Vertrag, kein Retainer, nur Klarheit über Ihre Optionen.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Firma Verkauf über einen M&A-Berater in Deutschland?
Sell-Side-Berater arbeiten in DACH typischerweise mit einem Monatsretainer von 10.000 bis 30.000 Euro, einer Success Fee von 1 bis 3 Prozent des Enterprise Value nach einer modifizierten Lehman-Skala und einer Untergrenze zwischen 150.000 und 500.000 Euro. Notarkosten, Rechts- und Steuerberatung sowie W&I-Prämien kommen dazu. Bei einem €10 Mio. EV-Deal sind Gesamtnebenkosten von €300.000 bis €600.000 zusätzlich zur Success Fee realistisch.
Wie lange dauert ein Firma Verkauf im DACH-Mittelstand?
Ein strukturierter Sell-Side-Prozess dauert in DACH 6 bis 9 Monate von Mandatserteilung bis Signing. Zusätzlich 4 bis 12 Wochen für den Vollzug (Kartellfreigabe, sonstige Bedingungen). Bilaterale Verhandlungen ohne Auktionsprozess laufen oft in 3 bis 5 Monaten, allerdings zu Preisverzichten von schätzungsweise 15 bis 25 Prozent gegenüber Auktionsprozessen.
Welche Steuer fällt beim Verkauf einer GmbH an?
Verkauft eine natürliche Person GmbH-Anteile im Privatvermögen unter § 17 EStG, gilt das Teileinkünfteverfahren: 60 Prozent des Gewinns sind steuerpflichtig, 40 Prozent steuerfrei. Bei Spitzensteuersatz ergibt das eine effektive Belastung von rund 28,5 Prozent. Über eine Holding-GmbH sind nach § 8b KStG rund 95 Prozent des Gewinns steuerfrei, effektiv etwa 1,5 Prozent. Voraussetzung: 7-jährige Sperrfrist nach § 22 UmwStG bei Einbringung.
Was ist der Unterschied zwischen Asset Deal und Share Deal?
Beim Share Deal werden die Gesellschaftsanteile übertragen, beim Asset Deal einzelne Wirtschaftsgüter und Verbindlichkeiten. Der Verkäufer bevorzugt meist den Share Deal aus steuerlichen Gründen (Teileinkünfteverfahren, § 8b KStG). Der Käufer bevorzugt den Asset Deal wegen des Step-up der Buchwerte und der Möglichkeit, Altlasten auszuklammern. Der Kaufpreis reflektiert diesen Kompromiss über eine Anpassung von typischerweise 10 bis 20 Prozent.
Ab welchen Umsätzen muss ein Firma Verkauf beim Bundeskartellamt angemeldet werden?
Nach § 35 GWB besteht Anmeldepflicht, wenn die weltweiten Umsätze aller Beteiligten 500 Millionen Euro übersteigen, ein Beteiligter im Inland mehr als 50 Millionen Euro und ein weiterer mehr als 17,5 Millionen Euro erzielt. Die Bagatellklausel entfällt bei Ziel-Inlandsumsatz unter 20 Millionen Euro. Viele LMM-Deals sind damit BKartA-anmeldefrei.
Welche EBITDA-Multiples werden im DACH-Mittelstand 2025/2026 gezahlt?
Nach Argos Wityu Index H2 2025 und DUB Multiples Report 2025 liegen die Median-EV/EBITDA-Multiples bei 4,5 bis 5,5x für EBITDA von 1 bis 3 Millionen Euro, 6,0 bis 7,5x für 3 bis 10 Millionen, 7,5 bis 9,5x für 10 bis 20 Millionen und 9,0 bis 11,0x für Mid-Market ab 20 Millionen. Software, MedTech und Erneuerbare kommandieren Sektor-Premiums von 1,5 bis 4x.
Muss ein GmbH-Anteilsverkauf in Deutschland notariell beurkundet werden?
Ja. Nach § 15 Abs. 3 und 4 GmbHG ist die notarielle Beurkundung sowohl des schuldrechtlichen Kaufvertrags als auch der dinglichen Anteilsübertragung zwingend. In Österreich verlangt § 76 GmbHG einen Notariatsakt, in der Schweiz Art. 785 OR eine öffentliche Beurkundung bei Stammanteilen der GmbH. Bei AG-Aktien ist die Übertragung in der Schweiz durch Indossament oder Zession formfrei möglich.
Wie hoch ist der Freibetrag beim Firma Verkauf ab 55 Jahren?
Nach § 16 Abs. 4 EStG gilt ein Freibetrag von 45.000 Euro ab Vollendung des 55. Lebensjahres oder bei dauernder Berufsunfähigkeit. Er reduziert sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136.000 Euro übersteigt. Ab 181.000 Euro Gewinn ist er vollständig aufgezehrt. Zusätzlich einmal im Leben nutzbar: der ermäßigte Steuersatz nach § 34 EStG (Fünftelregelung) bis 5 Millionen Euro Veräußerungsgewinn, halber Durchschnittssteuersatz nach § 34 Abs. 3 EStG.