firmenbeteiligungen kaufen: DACH-Leitfaden 2026 | CT Acquisitions

Aktualisiert Q3 2026 von CT Acquisitions.

Firmenbeteiligungen kaufen im DACH-Mittelstand: Der Leitfaden 2026 für Verkäufer

Wer als Private-Equity-Investor Firmenbeteiligungen kaufen will, konkurriert im DACH-Raum um ein knappes Gut: gesunde Mittelständler mit 1 bis 25 Millionen Euro EBITDA, die zum Verkauf stehen. Für Sie als Eigentümer ist genau das die relevante Frage, denn Ihre Verhandlungsposition, Ihre Bewertung und Ihre Nachfolgelösung hängen davon ab, welche dieser Käufer Sie erreichen und wie Sie den Prozess strukturieren. Dieser Leitfaden erklärt, wer im DACH-Markt Firmenbeteiligungen kaufen will, was gezahlt wird und wie ein sauberer Verkaufsprozess aussieht.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Private-Equity-Häuser machen 34 Prozent aller DACH-M&A-Deals aus, im Lower Mid Market unter 100 Millionen Euro EV bereits 42 Prozent (Merger Market DACH 2024).
  • DACH-Mittelstandsmultiples 2025 liegen zwischen 4,5x und 9,5x EBITDA, je nach Größensegment; Software und MedTech erzielen Premium-Aufschläge von 2 bis 4x (Argos Wityu Index).
  • 560.000 deutsche KMU planen bis 2027 eine Nachfolge, 190.000 davon ohne konkrete Lösung; ein struktureller Käufermarkt für die kommenden 24 Monate (KfW Nachfolge-Monitor 2024).
  • Deutsche Beteiligungs AG, Auctus Capital, Waterland, Ufenau und Equistone gehören zu den aktivsten DACH-Käufern für Nachfolgesituationen zwischen 10 und 250 Millionen Euro Enterprise Value.
  • Über eine Holding-Struktur nach § 8b KStG sinkt die Steuerbelastung beim Verkauf einer GmbH-Beteiligung auf rund 1,5 Prozent, statt 28,5 Prozent im Privatvermögen. Vorlauf: sieben Jahre.
  • Ein professioneller Sell-Side-Prozess dauert 6 bis 9 Monate; Steuerplanung beginnt 5 bis 7 Jahre früher, nicht 5 bis 7 Monate vor dem Signing.
  • W&I-Versicherungen decken 45 Prozent aller DACH-LMM-Deals über 25 Millionen Euro EV ab; Prämien liegen bei 0,9 bis 1,4 Prozent der Deckungssumme.

Was heißt “Firmenbeteiligungen kaufen” im deutschen Mittelstand?

Firmenbeteiligungen kaufen bedeutet im DACH-Kontext, dass ein Finanzinvestor, meist eine Private-Equity-Gesellschaft wie die Deutsche Beteiligungs AG oder Auctus Capital, Mehrheits- oder Minderheitsanteile an einem operativen Unternehmen erwirbt. Nach BVK-Statistik 2024 flossen 12,3 Milliarden Euro in solche deutschen PE-Investments, verteilt auf über 300 Transaktionen im Mittelstand.

Für Sie als Eigentümer ist die Unterscheidung entscheidend. Ein strategischer Käufer, etwa ein Wettbewerber oder ein Zulieferer, kauft aus operativen Synergiegründen. Ein Finanzinvestor, also eine Beteiligungsgesellschaft, kauft aus Renditegründen: Er hält typischerweise 4 bis 7 Jahre und plant den Wiederverkauf (“Exit”) zu einem höheren Multiple. Rund 58 Prozent aller DACH-Transaktionen entfallen laut Merger Market DACH 2024 auf strategische Käufer, 34 Prozent auf Financial Sponsors, 8 Prozent auf Family Offices, Search Fund-Investoren und Management-Buy-In-Kandidaten.

Im Lower Mid Market unter 100 Millionen Euro Enterprise Value verschiebt sich die Verteilung Richtung Private Equity: 42 Prozent Sponsor, 48 Prozent strategisch, 10 Prozent Family Office. Wenn Ihr Unternehmen also zwischen 1 und 25 Millionen Euro EBITDA erwirtschaftet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie im Prozess mindestens einer Beteiligungsgesellschaft gegenüberstehen werden. Wer professionelle Unternehmensverkauf-Beratung sucht, sollte die Käufertypen frühzeitig sortieren.

Wie funktioniert Private Equity im DACH-Raum 2026?

Nach der Zinswende der EZB, die den Leitzins von 4,50 auf 3,25 Prozent bis Ende 2025 senkte, sind Sponsor-Buyer wieder aktiv. Der DACH-M&A-Markt verzeichnete 2024 rund 2.100 deutsche Transaktionen mit 82 Milliarden Euro Volumen (EY M&A Barometer H1 2025). Zusätzlich kamen 315 österreichische und 493 schweizerische Deals hinzu, mit klarem Fokus auf Buy-and-Build-Strategien.

Beteiligungsgesellschaften funktionieren in DACH nach einem einheitlichen Grundprinzip. Ein Fonds sammelt Kapital von institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices. Über eine Laufzeit von typischerweise 10 Jahren investiert der Fonds dieses Kapital in 10 bis 20 Zielunternehmen, hält sie 4 bis 7 Jahre und verkauft sie anschließend an strategische Käufer, andere Sponsoren (Secondary Buyouts) oder über einen Börsengang.

Der operative Hebel unterscheidet die DACH-PE-Landschaft von der US-Praxis. Während amerikanische Buyouts oft mit hohem Fremdkapital-Hebel arbeiten, dominieren in Deutschland moderate Verschuldungsgrade und Wachstumsstrategien. Waterland Private Equity beispielsweise, mit deutschen Büros in München und Hamburg, hat rund 30 Add-on-Akquisitionen im SHK-, Elektro- und Dachhandwerk in seine Weber Building Group integriert. Auctus Capital Partners baute mit DentConnect und Haustec Group über 50 kleinere Handwerks- und Dentalpraxen-Übernahmen zu Plattformen zusammen. Diese sogenannten Buy-and-Build-Strategien sind der aktivste Treiber im deutschen Nachfolgemarkt.

Sektorschwerpunkte 2024 bis 2026 laut PwC German M&A Insights Q1 2026 sind IT-Services und MSP, SHK-Handwerk (getrieben durch den Wärmepumpen-Boom), Erneuerbare Energien, MedTech und Spezialchemie. Wer in diesen Segmenten operiert, wird häufiger von Buyern angesprochen als der zyklische Maschinenbau.

Welche EBITDA-Multiples werden im DACH-Mittelstand 2026 gezahlt?

Nach dem Argos Wityu Index H2 2025 und dem FINANCE M&A Panel Q4 2025 liegen die Median-Multiples für DACH-Mittelständler zwischen 4,5x EBITDA (Micro-Cap unter 3 Millionen Euro EBITDA) und 11,0x (Upper Mid Market bis 100 Millionen Euro EBITDA). Software erzielt 2 bis 4x Aufschlag, MedTech 1,5 bis 2,5x, Rollup-fähige Handwerksbetriebe je nach Wartungsanteil bis zu 1x extra.

Die Bewertung eines Unternehmens im Sell-Side-Prozess entsteht aus einer Multiple-Formel, die einfach klingt, in der Praxis aber viele Streitpunkte hat: bereinigtes EBITDA multipliziert mit dem Marktmultiple ergibt den Enterprise Value (EV). Vom EV wird die Netto-Verschuldung (Debt minus Cash) abgezogen, um zum Eigenkapitalwert zu kommen. Das ist der Kaufpreis für Ihre Anteile.

EBITDA-Bandbreite Segment Median EV/EBITDA 2025 Bandbreite (25 bis 75 %)
€1 bis 3 Mio. Micro-Cap, Handwerk, Nischen-KMU 4,5x bis 5,5x 3,5x bis 6,5x
€3 bis 10 Mio. Klassischer Mittelstand (LMM) 6,0x bis 7,5x 5,0x bis 9,0x
€10 bis 20 Mio. Upper Lower Mid Market 7,5x bis 9,5x 6,5x bis 11,0x
€20 bis 100 Mio. Mid Market 9,0x bis 11,0x 8,0x bis 13,5x

Sektor-Premiums 2025 (Quelle: DUB Multiples Report 2025) verändern das Bild deutlich. Software und SaaS-Modelle mit wiederkehrenden Umsätzen (ARR) werden mit Umsatzmultiples statt EBITDA-Multiples bewertet. MedTech- und Pharma-Zulieferer erhalten 1,5 bis 2,5x Aufschlag. SHK-Handwerksbetriebe im Rollup-Play, insbesondere mit Wartungsvertragsanteil über 30 Prozent, erreichen 5,0x bis 7,0x plus 1x Aufschlag. Der klassische zyklische Maschinenbau zahlt dagegen einen Abschlag von 0,5 bis 1x.

Wer die eigene Bewertung sauber verstehen will, findet in unserem Leitfaden zu Firmenwert ermitteln die konkreten Methoden nach IDW S1, DCF und Multiples-Vergleich.

Welche Private-Equity-Plattformen kaufen aktuell im DACH-Raum?

Die aktivsten DACH-Buyer im Lower Mid Market sind Deutsche Beteiligungs AG (Frankfurt, DBAG Fund VIII mit 1,1 Milliarden Euro), Auctus Capital Partners (München, Fund VI mit 650 Millionen Euro), Waterland Private Equity (Bussum/München/Hamburg, Waterland VIII mit 2,5 Milliarden Euro) und Ufenau Capital Partners (Pfäffikon SZ, Ufenau VII mit 1 Milliarde Euro). Alle verifizierbar über die BVK-Mitgliederliste.

Ein realistischer Käufer-Longlist beginnt mit den deutschen Häusern: Deutsche Beteiligungs AG für 50 bis 250 Millionen Euro EV, Halder Beteiligungsberatung für 25 bis 150 Millionen Euro, capiton AG in Berlin für 30 bis 200 Millionen Euro, Nord Holding aus Hannover mit Evergreen-Struktur, ARCUS Capital München für 5 bis 30 Millionen Euro, Auctus Capital Partners besonders aktiv im Buy-and-Build (Dental, Optik, Veterinär, IT-Services, Handwerksketten), Perusa Partners für Special-Situations, Paragon Partners für 50 bis 500 Millionen Euro, Findos Investor für Kleinunternehmen von 3 bis 25 Millionen Euro EV.

Aus München kommen zusätzlich Emeram Capital Partners (Fund II mit 400 Millionen Euro), Equistone Partners Europe (Fund VII mit 2,9 Milliarden Euro), Afinum Management (Afinum X mit 625 Millionen Euro). Berlin liefert BID Equity für Software und Odewald KMU für Deutschland-KMU von 10 bis 50 Millionen Euro EV. Aus Frankfurt agieren VR Equitypartner (Tochter der DZ Bank für Mezzanin und Minderheiten) und Rivean Capital (vormals Gilde Buy Out Partners) mit Rivean VI von 1,25 Milliarden Euro.

In Österreich ist die Landschaft schmaler: Invest AG aus Linz als Beteiligungsgesellschaft der Oberbank-Gruppe, Ithuba Capital in Wien für Minderheits- und Wachstumskapital, B&C Industrieholding als strategischer Langfristhalter. In der Schweiz sind CGS Management in Pfäffikon SZ (Fund V mit 500 Millionen Schweizer Franken), Invision Private Equity in Zug, Capvis Equity Partners in Zürich/Baar (Fund V mit 1,2 Milliarden Schweizer Franken), Ufenau Capital Partners und Patrimonium Private Equity die zentralen Adressen.

Zusätzlich aktiv im DACH-Markt sind europäische Sponsoren wie Waterland Private Equity, Bencis Capital Partners mit Düsseldorfer Büro, IK Partners mit Hamburg-Büro, Bridgepoint, Triton Partners, Ardian aus Frankfurt und Investindustrial über das London-Team. Wer eine Nachfolgelösung sucht, findet in unserem Nachfolge-Ratgeber die Struktur der Verhandlungsstrategie mit diesen Käufertypen.

In unserer Beratung DACH-Unternehmern begegnen wir immer wieder derselben Fehleinschätzung: Eigentümer glauben, ein Käufer sei besser als kein Käufer. Das Gegenteil ist richtig. Ein professioneller Prozess mit 10 bis 30 qualifizierten Interessenten erzeugt Wettbewerb, Wettbewerb erzeugt Prämie. Wir haben Deals gesehen, in denen der zweite und dritte Bidder den Kaufpreis um 15 bis 25 Prozent gegenüber dem ersten Angebot getrieben haben.

Wie interviewt man einen deutschen M&A-Berater richtig?

Fragen Sie jeden Berater nach abgeschlossenen DACH-Sell-Side-Mandaten der letzten 24 Monate, drei referenzfähigen Verkäufern, der konkreten Honorarstruktur (Retainer, Success Fee, Milestone Fee) und dem konkreten Käufernetzwerk. Ein Berater ohne mindestens fünf abgeschlossene LMM-Deals seit 2024 taugt nicht als Ihr Mandatsträger.

Die DACH-Beraterlandschaft teilt sich in vier Kategorien. Bulge-Bracket-Banken (Rothschild, Lazard, Houlihan Lokey, Lincoln International) dominieren den Upper Mid Market. Big-Four-Corporate-Finance-Praxen (KPMG, EY-Parthenon, PwC Deals, Deloitte) decken das gesamte Spektrum ab und stellen laut Mergermarket 2024 Advisory Study rund 65 Prozent der Buy-Side-Due-Diligence-Mandate. LMM-Boutiquen (Oaklins, Concentro, ACXIT, Livingstone, Proventis, Alantra) sind für Ihre Größe die realistische Adresse. Und daneben existieren spezialisierte Sektor-Boutiquen (IEG für Tech, Bryan Garnier für Growth).

Berater-Typ Beispiele DACH Ziel-Dealgröße Success Fee Retainer Timeline
Boutique LMM Concentro, ACXIT, Proventis, Klein & Coll. €5 bis 50 Mio. EV 2 bis 3 % €10.000 bis 20.000/Monat 6 bis 9 Monate
LMM-Marktführer Lincoln International, Oaklins, Alantra €25 bis 500 Mio. EV 1,5 bis 2,5 % €15.000 bis 30.000/Monat 6 bis 9 Monate
Big Four Corporate Finance KPMG, EY-Parthenon, PwC Deals, Deloitte €10 bis 500 Mio. EV 1,5 bis 3 % €15.000 bis 30.000/Monat 6 bis 10 Monate
Bulge Bracket Rothschild, Lazard, Houlihan Lokey >€100 Mio. EV 1 bis 1,5 % €30.000 bis 50.000/Monat 7 bis 12 Monate

Der wichtigste Filter ist die Referenz. Bitten Sie um drei Verkäufernamen der letzten 24 Monate, rufen Sie diese an und fragen Sie, ob der Berater seine Prognose für Käuferreichweite und Bewertung eingehalten hat. Der zweite Filter ist Sektorkompetenz. Ein SHK-Handwerksverkauf gehört zu Concentro oder Auctus-nahen Beratern, ein MedTech-Deal zu Bryan Garnier oder Lincoln, ein IT-Services-Deal zu IEG oder Alantra. Zu Oaklins und Lincoln International finden Sie öffentlich einsehbare Deal-Historien.

Was kostet ein Verkaufsprozess: Honorare, Retainer, Success Fees?

Ein DACH-LMM-Sell-Side-Mandat kostet in der Regel 1 bis 3 Prozent des Enterprise Value als Success Fee (Lehman-Skala mit degressiver Staffelung), plus 10.000 bis 30.000 Euro monatlichen Retainer über 6 bis 9 Monate. Bei einem 20-Millionen-EV-Deal summieren sich Advisor-Kosten auf 400.000 bis 700.000 Euro brutto.

Die Success Fee folgt in DACH überwiegend einer modifizierten Lehman-Skala: erste 5 Millionen Euro EV mit 5 Prozent, nächste 5 Millionen mit 4 Prozent, nächste 10 Millionen mit 3 Prozent, alles darüber mit 2 Prozent. Für einen 20-Millionen-EV-Deal ergibt das eine Success Fee von rund 700.000 Euro, was 3,5 Prozent entspricht. Boutiques verlangen häufig eine Mindestgebühr von 150.000 bis 500.000 Euro, unabhängig vom finalen Deal-Volumen.

Der Monatsretainer läuft typischerweise 6 bis 9 Monate und wird bei erfolgreichem Signing zu einem definierten Prozentsatz auf die Success Fee angerechnet (meist 50 Prozent, manchmal 100 Prozent). Milestone Fees decken definierte Zwischenschritte wie NDA-Package fertig, IM freigegeben, IOIs eingegangen. Die Übernahme rechtlicher, steuerlicher und Vendor-DD-Kosten liegt beim Mandanten und beträgt für einen typischen LMM-Deal 150.000 bis 400.000 Euro zusätzlich.

Der BAFA-Zuschuss aus dem Programm “Förderung unternehmerischen Know-hows” deckt bis zu 3.500 Euro je Beratung ab und ist mit bis zu drei Beratungen kumulierbar. Der Antrag muss über die Leitstelle des BAFA vor Beratungsbeginn eingereicht werden. Für einen Sell-Side-Prozess ist der Zuschuss ein Baustein, aber kein Substitut für professionelle Beratung.

Wie unterscheidet sich Asset Deal von Share Deal steuerlich?

Beim Share Deal übertragen Sie GmbH-Anteile oder AG-Aktien, beim Asset Deal einzelne Wirtschaftsgüter und Verbindlichkeiten. Als Verkäufer bevorzugen Sie fast immer den Share Deal (Teileinkünfteverfahren, 28,5 Prozent Effektivsteuer statt voller KSt+GewSt). Käufer bevorzugen den Asset Deal (Step-up der Buchwerte, Firmenwert-Abschreibung über 15 Jahre nach § 7 EStG).

Aus Verkäufersicht ist der Share Deal steuerlich meist deutlich vorteilhafter. Beim Verkauf von GmbH-Anteilen durch eine natürliche Person im Privatvermögen mit mindestens einprozentiger Beteiligung greift § 17 EStG in Verbindung mit dem Teileinkünfteverfahren: 60 Prozent des Gewinns sind steuerpflichtig, 40 Prozent steuerfrei. Bei Spitzensteuersatz plus Solidaritätszuschlag ergibt sich eine effektive Belastung von rund 28,5 Prozent auf den gesamten Veräußerungsgewinn.

Für Käufer ist das genau der Nachteil. Beim Share Deal übernimmt der Erwerber die historischen Buchwerte des Zielunternehmens und kann keine Firmenwert-Abschreibung vornehmen. Beim Asset Deal schreibt der Erwerber den Kaufpreis auf die einzelnen Vermögensgegenstände hoch (Step-up), was die Abschreibungsbasis erhöht und den steuerpflichtigen Gewinn in den Folgejahren senkt. Der Firmenwert wird nach den §§ 246, 253 HGB und § 7 EStG über 15 Jahre abgeschrieben.

Aus Haftungssicht ermöglicht der Asset Deal Cherry-Picking. Der Käufer übernimmt nur die von ihm gewünschten Vermögensgegenstände, alte Verbindlichkeiten und Prozessrisiken bleiben beim Verkäufer. Beim Share Deal gehen sämtliche Verbindlichkeiten mit der Kapitalgesellschaft automatisch über. § 613a BGB schützt in Deutschland zusätzlich die Arbeitsverhältnisse beim Asset Deal, was die Cherry-Picking-Freiheit in der Praxis einschränkt.

Der klassische Kaufpreis-Kompromiss lautet: Verkäufer akzeptiert eine leicht niedrigere Bewertung im Asset Deal, dafür trägt der Käufer die Übertragungskosten. Oder umgekehrt: Der Käufer zahlt einen Aufschlag im Share Deal, dafür entfallen komplexe Vertragsübertragungen. Details dazu finden Sie in unserem Leitfaden zu Firma verkaufen und Steuern.

Welche §-Regelungen und Freibeträge gelten beim Verkauf?

Bei altersbedingtem Verkauf ab 55 Jahren greift § 16 Abs. 4 EStG mit einem Freibetrag von 45.000 Euro, der ab 136.000 Euro Gewinn abgeschmolzen wird und ab 181.000 Euro vollständig entfällt. Zusätzlich steht Ihnen die Fünftelregelung nach § 34 EStG einmal im Leben zu, für Veräußerungsgewinne bis 5 Millionen Euro mit ermäßigtem Steuersatz.

Wichtige Präzisierung vorweg: Das oft zitierte “Halbeinkünfteverfahren” wurde 2009 durch das Teileinkünfteverfahren abgelöst. Wer heute noch vom Halbeinkünfteverfahren spricht, ist sprachlich falsch. Aktuell gilt: 60 Prozent des Veräußerungsgewinns sind steuerpflichtig, 40 Prozent steuerfrei. Das gilt sowohl für Anteile im Betriebsvermögen als auch für § 17-EStG-Fälle im Privatvermögen.

Der große Hebel liegt in § 8b KStG. Verkauft eine Kapitalgesellschaft (Holding-GmbH) ihre Beteiligung an einer anderen Kapitalgesellschaft, sind 95 Prozent des Gewinns steuerfrei. Nur 5 Prozent gelten als nicht abziehbare Betriebsausgabe. Bei einer effektiven Gesamtsteuerbelastung der Kapitalgesellschaft von rund 30 Prozent ergibt sich damit eine Belastung von 5 Prozent mal 30 Prozent, also rund 1,5 Prozent. Statt 28,5 Prozent im Privatvermögen. Das ist der Grund, warum Holding-Strukturen vor jedem größeren Firmenverkauf populär sind.

Die Sperrfrist ist der Preis dafür. Zwischen Gründung der Holding und Verkauf sollten idealerweise sieben Jahre liegen (Sperrfrist § 22 UmwStG bei Einbringung zu Buchwerten nach § 20 UmwStG). Bei Verstoß gegen die Sperrfrist kommt es zu einem “Sperrfristverstoß” mit rückwirkender Besteuerung. Daher gilt die Faustregel: Steuerplanung startet 5 bis 7 Jahre vor dem Verkauf, nicht 5 bis 7 Monate.

Wer die Fünftelregelung nach § 34 EStG in Anspruch nimmt (56 Prozent des Durchschnittssteuersatzes, mindestens 14 Prozent), kann diese nur einmal im Leben nutzen. Sie ist an die Vollendung des 55. Lebensjahres oder dauernde Berufsunfähigkeit gekoppelt und deckelt bei Veräußerungsgewinnen bis 5 Millionen Euro.

Wie läuft eine notarielle Beurkundung des GmbH-Anteilsverkaufs ab?

In Deutschland verlangt § 15 Abs. 3 und 4 GmbHG zwingend die notarielle Beurkundung sowohl des schuldrechtlichen Kaufvertrags als auch der dinglichen Anteilsübertragung. Bei einem 10-Millionen-Euro-Kaufpreis fallen laut GNotKG rund 26.000 bis 35.000 Euro Notarkosten an, verteilt auf Beurkundung und Vollzugsgeschäft.

Der Ablauf ist streng formalisiert. Beide Parteien (oder ihre Bevollmächtigten mit notariell beglaubigter Vollmacht) erscheinen persönlich beim Notar. Der Notar verliest den vollständigen Kaufvertrag. Bei einem typischen SPA mit 60 bis 120 Seiten dauert diese Beurkundung 4 bis 8 Stunden, in Extremfällen zwei Tage. Anschließend wird die Anteilsübertragung dinglich vollzogen, ebenfalls notariell.

Die Notarkosten richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) auf Basis des Geschäftswerts. Bei einem 10-Millionen-Euro-Deal ergeben sich rund 20.000 Euro für die schuldrechtliche Beurkundung plus 6.000 bis 15.000 Euro für den dinglichen Vollzug, plus Nebenkosten. Bei größeren Deals über 50 Millionen Euro sind die Kosten deckelbar, aber praktisch niemand nutzt die Deckelung, weil sie den Notar demotiviert.

In Österreich verlangt § 76 GmbHG einen Notariatsakt für die Übertragung von GmbH-Geschäftsanteilen. In der Schweiz ist bei Stammanteilen einer GmbH nach Art. 785 OR die öffentliche Beurkundung nötig, bei AG-Aktien reicht dagegen ein formloser Übertragungsakt durch Indossament oder Zession.

Welche BKartA-Fusionskontrollschwellen sind zu beachten?

Nach § 35 GWB ist eine Anmeldung beim Bundeskartellamt fällig, wenn alle Beteiligten zusammen weltweit über 500 Millionen Euro Umsatz erzielen, ein Beteiligter im Inland über 50 Millionen Euro und ein zweiter Beteiligter im Inland über 17,5 Millionen Euro. Zielgesellschaften mit unter 20 Millionen Euro Inlandsumsatz fallen unter die Bagatellklausel und sind anmeldefrei.

Für den typischen DACH-LMM-Deal bedeutet das: Wenn Ihr Unternehmen unter 20 Millionen Euro Inlandsumsatz macht, ist die BKartA-Fusionskontrolle in der Regel nicht relevant, weil die Bagatellklausel greift. Sobald Sie diese Schwelle überschreiten und der Käufer die anderen Schwellen erfüllt (was bei jeder mittelständischen Beteiligungsgesellschaft der Fall ist), müssen Sie 4 bis 8 Wochen zwischen Signing und Closing für die Freigabe einplanen.

Seit 2021 existiert zusätzlich eine Transaktionswertschwelle. Sie greift bei Kaufpreisen über 400 Millionen Euro, wenn die Zielgesellschaft in Deutschland erhebliche Tätigkeit entfaltet, ein Beteiligter weltweit über 500 Millionen Euro Umsatz macht und ein Beteiligter im Inland über 50 Millionen Euro. Diese Regel zielt auf Tech-Transaktionen, bei denen die Zielgesellschaft niedrigen Umsatz, aber hohen strategischen Wert hat.

In Österreich (KartG, BWB) liegen die Schwellen bei 300 Millionen Euro Weltumsatz, 30 Millionen Euro Österreich-Umsatz und je 1 Million Euro Weltumsatz für zwei Beteiligte. In der Schweiz (KG, WEKO) greift die Anmeldepflicht ab 2 Milliarden Schweizer Franken Weltumsatz oder 500 Millionen Schweizer Franken Umsatz zweier Beteiligter in der Schweiz. Zusätzlich kann die EU-Fusionskontrolle nach FKVO 139/2004 relevant werden, wenn die Gesamtumsätze weltweit über 5 Milliarden Euro und EU-Umsatz zweier Beteiligter je über 250 Millionen Euro liegen.

Neben der Kartellfreigabe kann eine FDI-Investitionsprüfung nach AWG und AWV einschlägig sein, wenn ein Nicht-EU-Investor Anteile ab 10 Prozent (kritische Infrastruktur, Verteidigung, Rüstung) oder ab 25 Prozent (allgemein) an deutschen Unternehmen bestimmter Sektoren erwirbt. Die verschärfte Prüfliste seit 2020 umfasst Gesundheit, KI, Biotech, Robotik, Halbleiter und Quantum.

Wie lange dauert ein Verkaufsprozess im DACH-LMM?

Ein betreuter DACH-LMM-Sell-Side-Prozess dauert 6 bis 9 Monate von Mandat bis Signing, plus 4 bis 12 Wochen bis Closing. Bilaterale Verhandlungen ohne Auktion verkürzen sich auf 3 bis 5 Monate. Die eigentliche Vorbereitung (Vendor DD, Info-Memorandum, Financial Fact Book) beansprucht die ersten 6 bis 10 Wochen und ist der werttreibende Abschnitt.

Phase Dauer Kernaktivität
Vorbereitung 6 bis 10 Wochen Vendor DD, Info-Memorandum (IM), Financial Fact Book, Long-List, NDA-Pack
Marktansprache Phase 1 3 bis 4 Wochen Teaser-Versand, NDAs, IM-Freigabe an Interessenten
Indikative Angebote (IOIs) 4 Wochen Bewerber legen indikative Angebote vor
Phase 2: DD und Management Presentations 6 bis 10 Wochen Datenraum offen, Q&A-Prozess, Site Visits
Verbindliche Angebote (Binding Offers) 2 bis 3 Wochen Käufer legen verbindliche Angebote inkl. markierter SPA vor
Verhandlung und Signing 3 bis 6 Wochen SPA-Verhandlung, Notariat, Signing
Closing (Vollzug) 4 bis 12 Wochen Kartellfreigabe, sonstige Bedingungen, Kaufpreiszahlung

Die Vorbereitung ist der wichtigste Werttreiber. Ein bereinigtes EBITDA mit sauberer Herleitung, dokumentierte Kundenkonzentrationsanalyse, Management-Continuity-Konzept und eine steuerlich saubere Historie erhöhen Ihre Bewertung nachweislich. Umgekehrt kostet jede Findung in der Käufer-DD (Steuerrisiko, Vertragslücke, Compliance-Verstoß) Kaufpreisabschlag, meist deutlich mehr als die Kosten der Vorbereitung.

Welche Unterlagen erwarten Käufer im Datenraum?

Ein Standard-Datenraum für einen DACH-LMM-Deal umfasst rund 3.000 bis 8.000 Dokumente in 12 Kategorien: Corporate/Legal, Financials, Tax, Commercial/Kunden, Operations, IT, HR, Real Estate, Litigation, Insurance, Environmental und Data Privacy. Marktführende Provider sind Datasite, Intralinks, Firmex, iDeals, Ansarada und Drooms (deutscher Anbieter mit hohem DACH-Marktanteil, HQ Frankfurt).

Die 12 Kernkategorien decken sämtliche Due-Diligence-Streams ab. Financial DD (FDD) umfasst Quality of Earnings, Working Capital Analysis, Net Debt Definition, Sustainability of EBITDA und Adjustments. Tax DD (TDD) fokussiert laufende Steuerprüfungen, latente Steuern, GrESt-Fallen (§ 1 Abs. 2a GrEStG), § 8b KStG-Anwendung und Verlustvorträge nach § 8c KStG (schädlicher Beteiligungserwerb ab 50 Prozent).

Commercial DD (CDD) analysiert Marktposition, Kundenkonzentration und Wettbewerbsumfeld. Legal DD (LDD) prüft Verträge, IP, Litigation, Compliance und DSGVO-Konformität. Operational DD (ODD) betrachtet Prozesse, IT-Systeme und Supply Chain. Seit 2023 ist zusätzlich Cyber DD Standard, angeboten von spezialisierten Anbietern wie KPMG Cyber DD oder Deloitte Risk Advisory.

ESG DD gewinnt an Bedeutung, insbesondere für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern, 50 Millionen Euro Umsatz oder 25 Millionen Euro Bilanzsumme, die unter die CSRD-Berichtspflicht fallen. HR DD prüft Betriebsräte, Tarifbindung, Pensionsverpflichtungen nach § 4b BetrAVG und laufende Sozialpläne. Das typische Fragen-Volumen liegt bei 200 bis 500 Fragen im LMM-Bereich, im Mid-Market steigt es auf 1.000 und mehr.

Wie strukturiert man Earn-out und Kaufpreis-Anpassungen?

In DACH-LMM-Deals wird der Kaufpreis in 60 bis 80 Prozent Cash-at-Closing plus 20 bis 40 Prozent Earn-out über 2 bis 3 Jahre aufgeteilt. Laut FINANCE M&A Panel Q4 2024 enthielten 34 Prozent aller DACH-Sponsor-LMM-Deals eine Earn-out-Komponente, gegenüber 22 Prozent im Jahr 2021. Der Anstieg spiegelt das Bewertungsgap zwischen Käufer- und Verkäufererwartungen.

Die häufigste Earn-out-Metrik ist EBITDA. Sie ist streitanfälliger als Umsatz-Earn-outs, weil die Definition Interpretationsspielräume erlaubt (Bereinigungen, außerordentliche Aufwendungen, Konzernumlagen). Um Streit vorzubeugen, wird in der Regel eine Schiedsgutachterklausel vereinbart, die eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als bindenden Schlichter benennt. Alternativen sind Umsatz-Earn-outs (weniger streitanfällig, weniger präzise), Bruttomarge-Earn-outs und Milestone-Earn-outs (Zulassungen, Kundengewinnung).

Bei der Kaufpreisformel dominieren zwei Modelle. Die Locked-Box-Struktur (60 bis 70 Prozent Anteil in DACH laut Freshfields Locked Box Study 2024) fixiert den Kaufpreis auf Basis einer Referenzbilanz zu einem Locked-Box-Datum, meist dem letzten Bilanzstichtag vor Signing. Der Verkäufer garantiert No Leakage zwischen Locked-Box-Datum und Closing, der Käufer trägt operatives Risiko und erhält Erträge ab Locked-Box-Datum (Value Accrual oder Ticker).

Die Completion-Accounts-Struktur (US-Standard, in DACH etwa 30 Prozent Anteil) passt den Kaufpreis nach Closing anhand einer Stichtagsbilanz an. Typische Adjustierungen betreffen Netto-Verschuldung (Cash minus Debt) und Working Capital gegen Normal Working Capital. Das ist aufwändiger, gibt aber beiden Seiten mehr Sicherheit über die tatsächlichen Zahlen am Closing-Stichtag.

Reps & Warranties werden typischerweise in zwei Stufen strukturiert. Tier-1-Garantien (Title & Capacity) sind unbeschränkt oder bis Kaufpreis. Tier-2-Garantien (Business Reps für Steuern, Arbeitnehmer, IP, Umwelt, wesentliche Verträge, Compliance, IT) sind mit Cap (10 bis 20 Prozent des Kaufpreises), Basket (0,5 bis 1 Prozent Aggregatschwelle) und De-minimis (25.000 bis 100.000 Euro Einzelanspruch) begrenzt. Verjährungsfristen liegen bei 18 bis 24 Monaten für Business Reps, 5 bis 7 Jahren für Tax und Environmental, 5+ Jahre für Fundamental Reps.

Was bringt eine W&I-Versicherung?

Eine Warranty & Indemnity Insurance (W&I) übernimmt die Haftung für Garantieverletzungen im SPA. Laut Marsh Global M&A Insurance Trends Report 2024/2025 werden 45 Prozent der DACH-Sell-Side-Deals über 25 Millionen Euro EV mit W&I abgesichert, in Sponsor-to-Sponsor-Transaktionen sogar über 75 Prozent. Die Prämie liegt bei 0,9 bis 1,4 Prozent der Deckungssumme.

Der Standardaufbau: Der Käufer schließt eine Buyer-Side-Policy mit Deckungssumme von 10 bis 30 Prozent des Kaufpreises ab. Der Selbstbehalt (Retention) liegt üblicherweise bei 0,5 Prozent des EV für die ersten Ansprüche, danach fällt er auf 0. Nil-Retention-Policies gegen Aufpreis werden zunehmend angeboten. Das Underwriting dauert 2 bis 3 Wochen ab Erhalt eines vollständigen DD-Package.

Aktive DACH-Anbieter sind AIG, Marsh, Aon, Howden M&A, Willis Towers Watson, BMS, Liberty Global Transaction Solutions, HDI Global Specialty, Chubb, AXA XL, Euclid Transactional, Hemisphere Underwriting, CFC Underwriting und VALE Insurance Partners (seit 2024 in Frankfurt aktiv). Für den Verkäufer bedeutet W&I: Der Escrow-Anteil sinkt von den typischen 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises auf 2 bis 5 Prozent, und Sie haften nur noch bis Retention und Cap.

Welche Käufergruppen konkurrieren im deutschen Mittelstand?

Neben Financial Sponsors sind Family Offices wie Franz Haniel & Cie., SKion GmbH (Susanne Klatten), Otto Group und Werhahn Gruppe aktive Käufer im DACH-Mittelstand. Corporate Acquirer wie Robert Bosch, Siemens, Würth-Gruppe, Miele und die Rethmann-Gruppe verfolgen kontinuierliche Add-on-Programme in ihren Zielsegmenten.

Die Familien-Beteiligungsgesellschaften unterscheiden sich fundamental von Private-Equity-Fonds. Franz Haniel & Cie. GmbH aus Duisburg hält ihre Beteiligungen (CWS, Optimar, TAKKT, ROVEMA) über Generationen und operiert seit 1756 mit rund 700 Familiengesellschaftern. Susanne Klattens SKion GmbH investiert in Altana, Nordex, SGL Carbon und Landa Digital Printing mit langfristigem Horizont. Michael Ottos Otto Group treibt E-Commerce-Beteiligungen wie About You, Hermes und Manufactum voran. Die Werhahn Gruppe aus Neuss ist in Konsumgüter, Baustoffen (Zwilling) und Finanzdienstleistungen (Abraham) aktiv. Die Rethmann-Gruppe aus Selm hält Remondis und Rhenus.

Strategische Corporate-Käufer sind für viele LMM-Verkäufe die höchstzahlende Adresse, weil sie Synergien monetarisieren können. Robert Bosch GmbH aus Gerlingen macht kontinuierlich Tuck-in-Akquisitionen in Mobility, Industrial und Consumer Goods. Siemens AG akquiriert über Siemens Advanta und Siemens Energy Ventures jährlich zweistellige Add-on-Zahlen. Die Würth-Gruppe aus Künzelsau übernimmt regelmäßig LMM-Nachfolge-Kandidaten im Handwerksvertrieb. Miele & Cie. KG aus Gütersloh hat 2017 Steelco akquiriert und ergänzt die Familie regelmäßig um strategische Ziele wie Otto Wilde Grillers.

Für Sie als Verkäufer bedeutet die Vielfalt: Ein Advisor muss den kompletten Buyer Universe kennen und je nach Ziel (Bewertung, Vertraulichkeit, Legacy-Anspruch, Management-Continuity) die richtige Käufergruppe priorisieren.

Welche Red Flags sollten Sie im Prozess vermeiden?

Die häufigsten Fehler von DACH-Verkäufern: unvorbereiteter Datenraum, unrealistische Preiserwartung (Anker aus einem befreundeten Sale ohne Sektor-Bezug), Verkäufer als Verhandlungsfront allein, Nichtanwendung von § 8b KStG durch fehlende Holding-Vorlaufzeit, Umgehung eines echten Auktionsprozesses aus Vertraulichkeitsangst. Jeder einzelne Fehler kostet 10 bis 25 Prozent Kaufpreis.

Der erste Red Flag ist ein unvorbereiteter Datenraum. Wenn Bidder in der Due Diligence auf fehlende Verträge, unerklärte EBITDA-Bereinigungen oder alte Steuerprüfungen ohne Dokumentation stoßen, kommt der Kaufpreisabschlag automatisch. Die Faustregel: Jede Findung in der Käufer-DD zieht 3 bis 5 Prozent Kaufpreisabschlag, kumulativ. Ein professioneller Vendor-DD-Bericht vor Marktansprache verhindert das.

Der zweite Red Flag ist eine unrealistische Preiserwartung. Wir sehen regelmäßig Eigentümer, die auf Basis eines “Nachbar-Deals” oder eines Zeitungsartikels ein 12x-Multiple erwarten, wenn der Markt für ihren Sektor 6,5x zahlt. Der Advisor muss diesen Anker in den ersten Wochen kalibrieren, sonst zerreißt das ganze Mandat. Belastbare Datenquellen: FINANCE M&A Panel, DUB Multiples Report, Argos Wityu Index.

Der dritte Red Flag ist der Solo-Verhandler. Auch erfahrene Unternehmer unterschätzen den psychologischen Druck einer SPA-Verhandlung. Ein guter M&A-Advisor ist auch Frontline-Puffer, der Härte in Verhandlungen einbringt, ohne die Beziehung zwischen Käufer und operativem Management zu belasten. Die “Ich mache das lieber selbst”-Haltung kostet regelmäßig 10 bis 15 Prozent Kaufpreis.

Der vierte Red Flag ist die verpasste Steuerplanung. Wer ohne Holding-Struktur verkauft, obwohl sieben Jahre Vorlauf möglich gewesen wären, verschenkt bei einem 10-Millionen-Euro-Verkauf rund 2,7 Millionen Euro Steuerersparnis (28,5 Prozent gegenüber 1,5 Prozent). Steuerberatung im letzten Jahr vor dem Verkauf ist meistens zu spät.

Der fünfte Red Flag ist die Verweigerung eines echten Auktionsprozesses. Manche Eigentümer bevorzugen die bilaterale Verhandlung mit einem einzigen Bidder, aus Angst vor Marktgeflüster. Das kostet Wettbewerbsdruck und damit Kaufpreis. Ein sauber geführter Prozess mit NDAs und diskreten Interessentenkreisen erhält die Vertraulichkeit und bringt gleichzeitig Bieterwettbewerb.

Wie sieht der DACH-Nachfolgemarkt konkret aus?

Nach dem KfW Nachfolge-Monitor 2024 planen 560.000 deutsche mittelständische Unternehmen bis Ende 2027 eine Nachfolge, 190.000 davon noch ohne konkrete Lösung. Die IfM Bonn beziffert die altersbedingten Übergaben auf 125.000 bis 2027, also rund 42.000 Transaktionen pro Jahr. In Österreich stehen laut WKO 51.500 KMU bis 2029 zur Übergabe an, in der Schweiz laut Bisnode 91.000 KMU.

Der strukturelle Zufluss übersteigt die Kapazität des klassischen M&A-Marktes. Etwa 54 Prozent der Nachfolgen 2024 waren extern (Verkauf, MBI, PE), 46 Prozent familienintern oder MBO. 2010 lag die interne Quote noch bei 62 Prozent. Der Rückgang ist demografisch bedingt (weniger Kinder, weniger nachfolgewillige Familienmitglieder) und trifft auf einen aktiven Käufermarkt.

Für Sie als Eigentümer heißt das: Der Timing-Vorteil ist real. Käufer sind aktiv, Zinsen sind niedriger als 2023, Multiples sind stabil. Der Nachteil: Immer mehr Konkurrenz um qualifizierte Käufer, weil parallel andere Nachfolger verkaufen. Ein professionell aufgestellter Prozess mit sauberer Vorbereitung sticht in einem Feld von 42.000 Jahres-Übergaben deutlich heraus.

Als Erstanlaufstelle für die Nachfolgeorientierung bieten die IHKs in allen 79 deutschen Kammern kostenfreie Erstberatungen an. Die Handwerkskammern (HWK) haben ein analoges Angebot, besonders relevant für die rund 125.000 nachfolgesuchenden Handwerksbetriebe (ZDH-Zahl 2024). In Österreich läuft das über die Follow-me.at-Plattform der WKO, in der Schweiz über das KMU-Portal.admin.ch. Details finden Sie in unserem Nachfolge-Ratgeber.

Welche regionalen Besonderheiten gelten in Österreich und der Schweiz?

In Österreich beträgt die Körperschaftsteuer seit 2024 23 Prozent, die KESt auf Veräußerungsgewinne 27,5 Prozent. Der Hälftesteuersatz nach § 37 EStG greift bei 60+ Jahren und 7-jähriger Behaltefrist. In der Schweiz ist der Kapitalgewinn im Privatvermögen nach Art. 16 Abs. 3 DBG steuerfrei, wenn keine gewerbsmäßige Vermögensverwaltung vorliegt. Der Kernvorteil.

Die österreichische Steuerlandschaft ist einfacher als die deutsche. Verkäufer natürlicher Personen zahlen 27,5 Prozent KESt auf den Veräußerungsgewinn, ohne Progression. Der Freibetrag § 24 EStG bei Betriebsaufgabe liegt bei 7.300 Euro, praktisch marginal. Wichtiger ist der Hälftesteuersatz § 37 EStG, der bei Betriebsveräußerung ab dem 60. Lebensjahr und Einstellung der Erwerbstätigkeit den halben Durchschnittssteuersatz auf den Veräußerungsgewinn anwendet. Voraussetzung: 7-jährige Behaltefrist und einmalige Inanspruchnahme.

Die schweizerische Landschaft ist heterogen nach Kanton. Zug liegt bei rund 11,85 Prozent effektiver Gesamtsteuerbelastung, Nidwalden bei 11,97 Prozent, Luzern bei 12,15 Prozent, Schwyz bei 14,06 Prozent. Zürich Stadt kommt auf 19,65 Prozent, Bern Stadt auf 21,04 Prozent. Genf liegt nach der Steuerreform 2020 bei rund 14 Prozent. Der Beteiligungsabzug nach Art. 69 f. DBG reduziert die Steuer nahezu vollständig für qualifizierte Beteiligungen ab 10 Prozent Anteil und 1 Million Schweizer Franken Verkehrswert bei einjähriger Haltefrist.

Die zentrale Falle im Schweizer Verkauf ist die indirekte Teilliquidation und die Transposition. Wer innerhalb von fünf Jahren nach Verkauf Vermögen aus der Zielgesellschaft ausschüttet oder in einer geschützten Konstellation zurückerwirbt, verliert die Steuerfreiheit rückwirkend. Diese 5-Jahres-Falle ist Anlass für die meisten Beratungssituationen in schweizerischen Sell-Side-Deals.

Regionale Adressen in Wien: Erste Group Corporate Finance, Raiffeisen Investment AG, ACXIT (Wiener Büro), Oaklins Austria. Regionale Adressen in Zürich und der Schweiz: Ufenau Capital Partners, CGS Management, Capvis Equity Partners, Invision Private Equity, Bär & Karrer, Homburger, Lenz & Staehelin.

Bereit für den nächsten Schritt?

Wenn Sie 6-18 Monate von einem Unternehmensverkauf entfernt sind und einen deutschsprachigen M&A-Berater suchen, der internationale Käufer erreichen kann, ist ein 30-minütiges Erstgespräch der richtige nächste Schritt. Kein Vertrag, kein Retainer, nur Klarheit über Ihre Optionen.

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Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet “Firmenbeteiligungen kaufen” konkret?

Wer Firmenbeteiligungen kaufen will, erwirbt entweder eine Mehrheit (Buyout) oder eine Minderheit (Growth Capital) an einem operativen Unternehmen. Im DACH-Mittelstand dominieren Buyouts mit 60 bis 100 Prozent Anteil, in der Regel über GmbH-Anteile oder AG-Aktien, notariell beurkundet nach § 15 GmbHG. Käufer sind überwiegend Private-Equity-Häuser, strategische Corporates und Family Offices.

Was zahlen Private-Equity-Käufer für DACH-Mittelständler 2026?

Nach dem FINANCE M&A Panel Q4 2025 und dem Argos Wityu Index H2 2025 liegen die Median-Multiples bei 6,0x bis 7,5x EBITDA für Unternehmen mit 3 bis 10 Millionen Euro EBITDA und bei 7,5x bis 9,5x für die Bandbreite 10 bis 20 Millionen Euro EBITDA. Software-Firmen erzielen bis zu 4x Aufschlag, MedTech 1,5 bis 2,5x, Rollup-fähige Handwerksbetriebe rund 1x extra bei hohem Wartungsanteil.

Wer sind die aktivsten Private-Equity-Käufer in DACH?

Zu den aktivsten Beteiligungsgesellschaften im DACH-Lower-Mid-Market zählen Deutsche Beteiligungs AG (Frankfurt), Auctus Capital Partners (München), Afinum, capiton, Emeram, Ufenau Capital Partners (Pfäffikon SZ), Waterland (Bussum/München/Hamburg), Equistone Partners Europe und Rivean Capital. Für kleinere KMU sind Findos Investor, ARCUS Capital und VR Equitypartner relevant.

Wie hoch sind die Steuern beim GmbH-Anteilsverkauf in Deutschland?

Bei natürlichen Personen im Privatvermögen greift das Teileinkünfteverfahren nach § 17 EStG: 60 Prozent des Gewinns sind mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern, effektiv rund 28,5 Prozent bei Spitzensteuersatz plus Solidaritätszuschlag. Über eine Holding-GmbH sinkt die Belastung nach § 8b KStG auf rund 1,5 Prozent, allerdings mit einer siebenjährigen Sperrfrist nach Einbringung.

Wie lange dauert ein Sell-Side-Prozess bei einem DACH-LMM-Deal?

Ein betreuter Auktionsprozess dauert typischerweise 6 bis 9 Monate von Mandatserteilung bis Signing, plus 4 bis 12 Wochen bis Closing. Bilaterale Verhandlungen ohne Auktion kommen auf 3 bis 5 Monate. Steuerplanung sollte allerdings 5 bis 7 Jahre vor dem Verkauf beginnen, insbesondere wenn eine Holding-Struktur nach § 8b KStG genutzt werden soll.

Ab welcher Schwelle greift die Fusionskontrolle des Bundeskartellamts?

Nach § 35 GWB ist eine Anmeldung beim Bundeskartellamt fällig, wenn der Weltumsatz aller Beteiligten 500 Millionen Euro übersteigt, ein Beteiligter im Inland mehr als 50 Millionen Euro und ein zweiter mehr als 17,5 Millionen Euro Umsatz erzielt. Zielgesellschaften mit unter 20 Millionen Euro Inlandsumsatz sind über die Bagatellklausel des § 35 Abs. 2 GWB anmeldefrei.

Welche Rolle spielt die W&I-Versicherung in DACH-Deals?

Laut dem Marsh Global M&A Insurance Trends Report 2024/2025 werden rund 45 Prozent der DACH-Sell-Side-Deals über 25 Millionen Euro EV mit einer W&I-Versicherung abgesichert. In Sponsor-to-Sponsor-Transaktionen liegt die Quote bei über 75 Prozent. Prämien bewegen sich bei 0,9 bis 1,4 Prozent der Deckungssumme, Retention bei 0,5 Prozent des EV.

Welche Erstanlaufstellen gibt es für die Nachfolgeorientierung?

Die 79 IHKs in Deutschland bieten kostenfreie Erstberatung zur Nachfolge. Die Handwerkskammern (HWK) haben ein analoges Angebot. In Österreich läuft die Orientierung über die Follow-me.at-Plattform der WKO, in der Schweiz über das KMU-Portal.admin.ch. Der BAFA-Zuschuss von bis zu 3.500 Euro deckt professionelle Beratungshonorare in Deutschland teilweise ab.

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